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10 Jahre bga – Kongressbericht

Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) ist 10 Jahre alt geworden und aus diesem Anlass strömten am Freitag, 10.10.2014 Frauen aus allen Teilen Deutschlands und wenige Männer in das Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zum Jubiläumskongress. Für Medienvertreter war das leider kein Anlass, mal vorbeizuschauen.

Auf andere Bedürfnisse reagieren

2004 hatten drei Ministerien beschlossen, die Unternehmensgründungen von Frauen besonders zu fördern, weil ein Drittel aller Unternehmen in Deutschland von Frauen geführt werden und deren Bedürfnisse – in den Vorträgen hieß es immer ‚Bedarfe‘, was ein komisches Wort ist – anders sind als die von Männern. Beispielsweise beanspruchen Frauen oft nur geringere Kredite von 3.000-5.000 Euro, die für Banken unattraktiv sind. Inzwischen gibt es deshalb Mikrokredite, auch spezielle, die von Frauen für Frauen angeboten werden.

Talentepool sichern

Vertreter der drei Bundesministerien (BM für Bildung und Forschung, BM für Wirtschaft und Energie sowie BM für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) hielten knappe Grußworte und waren sich einig, dass die Förderung von Frauen bei Unternehmensgründungen wichtig ist und die bga in dem Punkt in den letzten 10 Jahren gute Arbeit geleistet hat: Es gehe darum, diesen Talentepool zu sichern.

„Abkupfern“ ausdrücklich erwünscht

Seit 2004 unterstützt die bga bundesweit mit 16 regionalen Verantwortlichen Frauen aller Branchen und in allen Phasen der unternehmerischen Selbständigkeit von der Existenzgründung über die Festigung bis zur Nachfolge von Unternehmen.

Alle Regionalverantwortlichen standen in Berlin auf der Bühne und präsentierten gemeinsam 16 Erfolgsrezepte, die sie für die erfolgreiche Unternehmensgründung von Frauen ausgemacht haben. Das reicht von der Beratung in Gruppen über das Potenzial der Migrantinnen bis hin zu den Erfolgsteams. Diese Methode hatte Dr. Christiane Bannuscher, Regionalverantwortliche aus Mecklenburg-Vorpommern nach Deutschland gebracht, erfolgreich ausprobiert und 2006 auch in Berlin eingeführt. Das „Abkupfern“ oder besser ausgedrückt das Transferieren von Erfolgsrezepten in andere Bundesländer ist damit ebenfalls eine erfolgreiche Methode der bga.

Beratung da, wo die Frauen sind

Die Regionalverantwortlichen haben sich bei ihrer Arbeit an die unterschiedlichen Gegebenheiten ihres Bundeslandes angepasst: Im Flächenstaat Thüringen ist es wichtig, regionale Beratungen anzubieten, in Berlin müssen dagegen beispielsweise die Angebote in der Mitte der Stadt vorhanden sein, weil sie nur so für Frauen gut erreichbar sind. Denn Frauen übernehmen größtenteils die Familienarbeit und sind deshalb auf eine gute Infrastruktur angewiesen. Deshalb sind auch die Beratungszeiten an diese Bedürfnisse angepasst.

Nachfolge ist weiblich

In den nächsten Jahren stehen gut 135.000 Unternehmensnachfolgen an. Weniger als die Hälfte finden familienintern statt. Gut 20 Prozent der Nachfolgen werden Frauen antreten. Die bga ist deshalb mit Verbänden und Institutionen in den Regionen dabei, Informationsveranstaltungen zum Thema anzubieten und nachfolgeinteressierte Frauen zu unterstützen.

Mehr Vorbilder

Um die Gründungsquote bei Frauen in Zukunft noch verbessern zu können, braucht es in Deutschland mehr Vorbilder, möglichst von Kindheit an. Alle Regionalverantwortlichen waren sich deshalb einig, dass die erfolgreichen Unternehmerinnen sichtbarer gemacht werden müssen.

Gila Otto, von Frauen und Arbeit e.V. und Regionalverantwortliche in Hamburg, bemerkte dazu, dass man die richtigen Bilder aufrufen muss. Denn von dem Wort ‚Unternehmer‘ fühlten sich die wenigsten Frauen angesprochen. Es ist vor allem von männlich geprägten Vorstellungen besetzt, die die meisten Frauen nicht ansprechen. Es geht darum, die passenden Vorbilder zu zeigen. Auch deshalb ist Forschung wichtig.

Die neue Initiative „FRAUEN unternehmen“ des BMWi zum Thema startet am 29. Oktober 2014 in der Berliner Kalkscheune. Hier kann man sich für Workshops registrieren.

Mehr Forschung

Die WeiberWirtschaft eG in Berlin arbeitet schon seit einigen Jahren mit dem HWR-Institut „Harriet Taylor Mill“ zusammen, um das Gründungsverhalten von Frauen zu erforschen, es immer besser zu verstehen und dadurch besser auf besondere Anforderungen reagieren zu können.

Forschungsergebnisse

Bisherige Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass Frauen kleinere Unternehmen gründen als Männer. Wie Dr. Katja von der Bey von der WeiberWirtschaft eG und Regionalverantwortliche der bga in Berlin in einem von vier folgenden Workshops berichtete, ist es inzwischen allerdings so, dass immer mehr Männer kleinere Unternehmen gründen. Die Forschung spreche deshalb von einer „Feminisierung der Existenzgründung“, was die Anwesenden ziemlich amüsierte.

Weibliches Gründungsverhalten ins rechte Licht gerückt

Katja von der Bey rückte noch weitere Tatsachen zum besonderen Gründungsverhalten von Frauen ins rechte Licht:

  • Frauen gründen in den ‚falschen‘ Branchen, in denen wenig verdient wird.
  • -> Dabei gründen sie in ihren Ausbildungsberufen. Das sind vor allem wissensintensive und personennahe Branchen, für die ein großes Wachstum erwartet wird. Es ist also schlau dort zu gründen.

  • Frauen gehen bei der Gründung ein geringeres finanzielles Risiko ein.
  • -> In Anbetracht der Finanzkrise ist das ein ziemlich cleveres Verhalten. Frauen verhalten sich ihren Umständen entsprechend klug: Sie verdienen weniger als Männer und haben deshalb häufig ein geringeres Vermögen bei der Gründung. Statistiken zeigen, dass Unternehmen von Frauen stabiler und krisenfester sind.

  • Unternehmen von Frauen wachsen langsamer.
  • -> Hier haben Befragungen gezeigt, dass Frauen aus anderen Motiven gründen: Sie legen vor allem Wert auf die Qualität ihrer Arbeit und der bewußte Umgang mit Ressourcen sowie soziale Nachhaltigkeit sind ihnen wichtig. Sie haben immer auch die Familie und das gute Miteinander im Team im Blick.

Zwei Unternehmerinnen zu Gast

Zwei Unternehmerinnen, die nachhaltig gegründet haben, waren zu Gast:
Karin Jordan, die seit 1991 das Modelabel Jordan in Berlin führt und Ulrike Saade, die schon 1980 velo:konzept gegründet hat. Sie sind mit der Gründerin von „Fräulein Burger“ in einem Film zum Thema nachhaltige Unternehmen zu sehen.

Ulrike Saade hat 1980 ihren verbeamteten Lehrerberuf an den Nagel gehängt, um Fahrradmechanikerin zu werden. Karin Jordan zog sich aus einem erfolgreichen Laden in den Hackeschen Höfen zurück, weil sie durch die verstärkte Nachfrage ihrer Waren den eigenen Qualitätskriterien nicht mehr gerecht wurde.

Die Machtfrage

Frauen wollen keine Macht? Ulrike Saade sieht bei der Frage aufmüpfig ins Publikum. Sie meinte, dass Frauen auch Macht haben wollen, um Dinge selbst bestimmen zu können. Es sei immer die Frage, wie man sie ausübe. Karin Jordan ergänzte, es seien andere Werte, die vor Wachstum und Profit Priorität hätten. Bei ihr die Qualität und die Nachhaltigkeit der Produktion.

Es summt im Kopf

In den Pausen herrschte reges Netzwerken. In den Workshops wurde das Potential an ideenreichen, wortstarken Frauen sichtbar, die wissen, was sie wollen, ihre Bedürfnisse formulieren und sich trauen sie einzufordern. Es summt noch im Kopf.

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Haben Sie Fragen zum Beratungsangebot?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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