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Auswertung Blogparade „Sind Existenzgründer Helden?“

Ein großes Dankeschön geht an alle, die sich Zeit genommen haben, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Ich möchte einige Gedanken zusammenfassen und sehen, was wir für unsere Arbeit in der Beratung von Existenzgründern daraus ableiten können.

Wir waren ziemlich neugierig auf die Reaktionen zu unserer etwas provokanten Frage. Es hat uns wirklich Spaß gemacht, die verschiedenen Positionen zu lesen. Letztlich waren sie gar nicht so unterschiedlich. Denn alle waren sich einig, dass Existenzgründer nicht per se Helden sind. Aber, so wie @Sascha bemerkt, haben sie das Potential sich zu Helden zu entwickeln.

Was ist der Held?

Es ist sinnvoll, den Heldenbegriff etwas näher zu betrachten, was die Blogger auch durchgehend getan haben. Wenn man sich einmal aufmerksam umsieht, ist der Heldenbegriff in unserem Alltag gar nicht so selten anzutreffen.

  • Da gibt/gab es die Band „Wir sind Helden“, die LieferHelden und die RegioHelden haben sich sogar bei uns vorgestellt. Sie verwenden den Heldenbegriff mit einem gewissen Augenzwinkern, anders als eine große Berliner Boulevardzeitung in einer aktuellen Aktion.
  • Einige Unternehmerinnen reagierten im Gespräch irritiert auf den Heldenbegriff, weil er männlich dominiert und in seiner Strahlkraft sehr testosterongesättigt wirkt. Klar, damit können sich erfolgreiche Unternehmerinnen eher nicht identifizieren.
  • Viele verbinden mit dem modernen Helden einen Typen wie Superman. Der moderne Held tut selbstlos Gutes zum Wohl der Allgemeinheit. So beschreiben ihn @Martin und @Peer Wandiger. @Andy meint, ein Held ist jemand, der es schwer hat. Diese Überlegungen führen zu dem Schluss, dass Existenzgründer nicht als Helden anzusehen sind, weil sie ja vor allem gründen, um ihr Überleben zu sichern und etwas für sich aufzubauen.
  • Erst im zweiten Schritt geht es um den Nutzen für die Allgemeinheit. Das meint @Sascha, wenn er von einem möglichen Entwicklungsprozess zum Helden schreibt (danke für die Grafiken!) und auf Unternehmer wie Götz Werner und Dirk Rossmann hinweist, die sich ihrer Verantwortung als Unternehmer stellen.
  • Sehr schön finde ich in diesem Zusammenhang auch das Zitat von Gmeiner, das @Peer Wandiger ins Spiel gebracht hat: Es geht um jemanden, der mehr tut, als er muss. Das wäre eine moderne Variante des Helden.
  • Der Held wird nur zum Helden, wenn er das entsprechende Publikum hat. Der Held ohne Bewunderer und Beifall fühlt sich nicht als Held, wenn doch, wird er schnell zum Anti-Helden. Vielleicht fühlen sich Gründer deshalb nicht als Helden, weil sie (noch) kein Publikum haben und werden deshalb auch nicht als solche gesehen?!

Wie ist das nun mit dem antiken Helden?

Er ist zunächst jemand, der mit besonderen Gaben ausgestattet ist oder sie erhält. Sein Leben und damit seine Heldentaten sind in der Regel von göttlichem Willen vorbestimmt, um Gutes zu tun. Der antike Held ist jemand, der gar nicht anders kann und fast wie ferngesteuert seine Heldentaten begeht. Und ja, es gibt nur männliche Helden. Nicht immer klappt in den Mythen alles so, wie es soll, weil auch Helden nur Menschen sind – damals schon. So vergisst Theseus bei seiner Heimkehr, siegestrunken wie er war, die richtigen Segel zu setzen. Darauf stürzt sich sein Vater Ägäus von den Klippen ins Meer, weil der denkt, sein Sohn sei ums Leben gekommen. Noch heute heißt deshalb dieses Meer Ägäisches Meer.

→ Die wichtigsten Unterschiede zwischen modernen und antiken Helden sind aus unserer Sicht, dass heute das Heldentum – oder wie man diese Haltung auch nennen möchte – selbstbestimmt und nicht nur auf Männer beschränkt ist.

Existenzgründer und Helden

@Martin hat sich die Mühe gemacht, einmal die verschiedenen Motive für eine Existenzgründung aufzuzählen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

  • Gründungen aus der Not (Arbeitslosigkeit, Krankheit)
  • Gründungen für die Selbstverwirklichung
  • Wunsch nach freier Zeiteinteilung und selbstbestimmtes Arbeiten
  • Wunsch nach höherem Verdienst.

Die Gewichtung mag mal dahingestellt bleiben. Das, was alle diese verschiedenen Motive gemeinsam haben, ist jedoch der Mut, den Schritt in das unabhängige, unbekannte, selbständige Leben zu wagen. Und das ist der Ausgangspunkt für das startbox-Team zu behaupten, dass alle Existenzgründer Helden sind. Um es noch einmal mit Theodor Fontane zu untermauern:

„Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut.“

Mehr als Helden

Anlass der Blogparade war ja kein Selbstzweck, um über den Heldenstatus zu sinnieren, sondern unsere Teilnahme am Forschungsprojekt „Innovationsdramaturgie nach dem Heldenprinzip“ der UdK und der HTW (wie in unserem Blogbeitrag beschrieben)

Ziel der Überlegungen ist also, dass wir uns eingehender mit der Situation von Existenzgründungen beschäftigen wollen. @Sascha fragt am Ende seines Blogbeitrags: Kommt es darauf an, als Existenzgründer ein Held zu sein? Nein, das sicher nicht.

Der Heldenbegriff bietet allerdings eine Projektionsfläche, um Ideen zu entwickeln. Durch seine Verankerung in Mythen und vergangenen Zeiten hält er die Chance bereit, einmal von sich selbst zu abstrahieren, einen neuen Blickwinkel einzunehmen und sein Projekt freier zu betrachten. Wenn ich meine Gründung versuche als Geschichte zu erzählen, die einen ähnlichen Rhythmus wie die antiken Mythen hat, dann begebe ich mich in eine unbekannte Welt. In dieser Welt nehme ich mein Projekt anders wahr und kann andere Dinge entdecken, die ich in meinem Realmodus bisher nicht entdeckt habe. Die können aber wichtig sein, um weiterzukommen. Es geht darum, Potential auf ungewöhnlichen Wegen zu entdecken und Visionen zu entwickeln.

@Hans hat die Heldengeschichte in seinem Beitrag ganz handfest als Marketing-Instrument bezeichnet. Ja, das ist ein Weg! Erzählt eine Geschichte, nutzt Eure Fantasie und die Kraft Eurer Ideen. Das ist die Richtung, in der das startbox-Team Gründer unterstützen möchte: Wir wollen helfen, Eure Ideen zu entwickeln. Unser Anliegen ist es nicht, kleine Pflänzchen gleich mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen abzuwürgen. Was nicht heißt, dass wir die Tragfähigkeit von Ideen nicht abschätzen. Das ist jedoch erst der zweite Schritt. Denn wie heißt es so schön? Wer wagt, gewinnt!

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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