Permalink

0

Crowdfunding: Ein Erfahrungsbericht des Tourismus-Startups migrador

Team migrador

Hallo, ich bin Mike Zieseler. Mit meinem Geschäftspartner Sven Krawehl habe ich im November 2012 das Online-Reiseportal migrador für Outdoor- und Aktivurlaub jenseits des Massentourismus gegründet– die startbox berichtete. Die ersten Monate liefen erstaunlich gut. Nun wollten wir weiter wachsen, Mitarbeiter einstellen und das Marketing ausweiten. Doch woher sollte das Geld kommen?

Crowdfunding – Phase 1

Freunde und Verwandte – oder neudeutsch Family, Friends & Fools – konnten uns nicht genug Kapital leihen. Bankkredite haben den Nachteil, dass monatliche Zinszahlungen anstehen und natürlich Sicherheiten notwendig werden. Für ein digitales Reisebüro ist das denkbar schlecht. Business Angels in der Tourismus-Branche sind rar und für Venture Capital Fonds sind wir in der Nische deutschsprachiger Outdoor- und Aktivreisen einfach noch zu klein. Eine Crowdfunding-Kampagne ist da für uns eine echte Alternative. Dabei spricht man viele Kleinanleger und Unterstützer an, die mit wenig Kapital, aber viel Sympathie für die Idee in einer Finanzierungsrunde das Startup unterstützen. Zur Zeit gibt es 27 Crowdfunding-Anbieter. Sie agieren als Treuhänder, die zwischen Gründerteam und Unterstützer stehen und den rechtlichen Ablauf organisieren. Unsere Wahl fiel auf die Crowdfunding-Plattform Startkapital Online des Unternehmerforums für den Mittelstand e.V. aus Starnberg. Hier begleiten erfahrene Wirtschafts-Senioren uns Wirtschafts-Junioren. Das klingt doch passend, dachten wir, und bewarben uns mit einem verkürzten Business-Plan. Das Ergebnis fiel positiv aus. Das war bereits Phase 1 des Crowdfundings!

Crowdfunding Phase 2 – Jetzt ging alles sehr schnell

Wir brauchten sofort eine Landing-Page für die Kampagne mit vielen interaktiven Elementen wie einem Video, Grafiken und Prämien für unsere Unterstützer. Wir empfehlen für den Videodreh und die Texte auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Plötzlich standen so viele Fragen im Raum:

  • Wo wird gedreht?
  • Was wollen wir vermitteln?
  • Welche Reisen repräsentieren unsere Idee am besten?

Für das Video hatten wir fünf Tage Zeit zur Vorbereitung. Das bedeutete:

  • ein Konzept erarbeiten,
  • den Drehort finden und
  • das Manuskript schreiben.

Einen Tag hatten wir für das Drehen Zeit. Nach sechs Tagen stand die Post-Production.
Ich musste mich dafür innerlich ziemlich umstellen: weg von den zahlenfixierten Businessplänen hin zur ursprünglichen Gründungsidee mit meiner der Leidenschaft zu reisen. Und die kam mir, als ich eine mehrtägige Radtour durch Brandenburg in einer kleinen Gruppe unternehmen wollte. Ich suchte im Internet eine Tour mit einer Begleitung, die auch etwas über Natur und Kultur erzählen konnte und fand – nichts!

Als Nächstes brauchten wir den Text. Zum Glück half uns eine im Tourismus-Umfeld erfahrene Journalistin vom Unternehmerforum für den Mittelstand e.V.. Es tat gut, eine neue Sichtweise auf die Idee zu bekommen und die Texte wurden ziemlich aufgepeppt.

Abschließend musste nur noch alles auf der Landing-Page zusammengefügt werden und schon konnte es mit der Phase 3 des Crowdfunding losgehen. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn ab jetzt hieß es möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren.

Crowdfunding Phase 3: Die Öffentlichkeit informieren

Wir haben uns sehr über den ersten Beitrag zu unserem Projekt bei förderland, dem Portal rund um „Wissen für Gründer und Unternehmer“, gefreut. Darauf folgte unser erstes Interview über das Crowdfunding-Projekt von migrador bei crowdbiz. Ich habe mich darüber riesig gefreut. Es machte sich gleich durch viele neue Besucher auf unserer Webseite bemerkbar. Die Leser des Beitrages und des Interviews schauten sich erfreulicherweise nicht nur die Kampagnenseite an, sondern nahmen auch unsere Reisen unter die Lupe. Es folgten weitere Interviews in Medien für Gründer, für Investoren und auch in der Touristik.

Öffentlichkeit: gern auch offline

Blogposts, Berichte, Interviews und Artikel haben eines gemeinsam: Die Aufnahme des Beitrages durch das jeweilige Medium, Veröffentlichung und vor allem die Reaktionen darauf liegen zeitlich oft weit auseinander. Anders war das bei unserem ersten Messeauftritt auf der Venture Across. Das ist eine von Studenten organisierte Messe in Slubice, die den Austausch deutscher und polnischer Gründer, Investoren und Studenten fördern will. Viele Interessierte stellten uns dort ihre Fragen rund um die Themen Reisen und Crowdfunding. Wir konnten migrador auch in einem 5-Minuten-Pitch den Konferenzteilnehmern vorstellen. Dieser erste Pitch seit dem Crowdfunding fand zusammen mit vier weiteren Jungunternehmern statt. Eine echte Herausforderung für uns war Englisch als Konferenz-Sprache. Sämtliche Werbe-Materialien, Bilder und Logos sowie die Texte gab es nur auf Deutsch, logisch! Denn unser Kern-Markt bleibt der deutschsprachige Raum für Urlaubs-Angebote. Mit einem Thema waren wir leider nicht erfolgreich. Wir führten zwar viele Gespräche, aber das Live-Zeichnen von Anteilen hat nicht funktioniert. Die potenziellen Investoren hatten zwischen den einzelnen Veranstaltungen einfach zu wenig Zeit, sich alle Details der Kampagne durchzulesen und dann spontan zu zeichnen.

Gründerevents nutzen

Eine weitere Möglichkeit zum öffentlichen Präsentieren bieten Gründerevents. Ich möchte beispielhaft den degewo Gründerpreis hervorheben. Es wurden drei Gewerbeflächen an verschiedenen Orten in Berlin mietfrei für ein Jahr an Gründer verlost. Unser Bewerbungskonzept war so erfolgreich, dass wir es unter die Nominierten geschafft haben. Lediglich in der Bewertungskategorie „Lokale Verbindung des Geschäftsmodells“ haben wir gegenüber dem Gewinner Punkte verloren. Aber das ist ja bei einem online-basierten Reisebüro auch kein Wunder. Hier haben uns wieder der Austausch und die Diskussion über den Standort eines Geschäfts interessante Erkenntnisse gebracht.

Mitmachen!

Wir haben viel positives Feedback zur Umsetzung unserer Idee bekommen und konnten neue Kontakte zu Reiseveranstalter aufbauen. Lediglich das Geld saß im November und Dezember 2013 nicht so locker. Wir haben zum Glück noch bis zum 28.02.2013 Zeit, mit unserer Crowdfunding-Kampagne bei Startkapital Online das nötige Kapital einzusammeln. Wer Mikroinvestor von migrador werden möchte: Bitte hier entlang! Neben einer Gewinnbeteiligung von 25 % gibt es verschiedene Dankeschön-Prämien wie ein migrador-T-Shirt, einen Reiseführer oder eine Reiserücktrittsversicherung.

Facebooktwittergoogle_plusmail


Haben Sie Fragen zu unserem Beratungsangebot?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 893 75 001 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Möchten Sie regelmäßig Wissen für Unternehmen erhalten?

Dann tragen Sie sich gern in unsere E-Mail-Newsletter-Liste ein.

Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


18 − 10 =

Abonnieren Sie meinen Newsletter

Abonnieren Sie meinen Newsletter

Einmal im Monat erhalten Sie Informationen für Existenzgründer.

Vielen Dank! Sie erhalten eine E-Mail zur Bestätigung.