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Der Kunde ist mein bester Berater – Interview mit Maik Pfingsten

Maik Pfingsten

Zehn Gründer haben uns 2015 unsere Fragen in der Blogreihe „Von der Idee zum Geschäftsmodell“ beantwortet und uns von ihren Erfahrungen berichtet. Einleitend hat die Ideenretterin Sabine Stengel aus ihrer Sicht erzählt, worauf es ankommt.

Abschließend habe ich mit Maik Pfingsten gesprochen, der in seinem Podcast Lifestyle:Entrepreneur regelmäßig Tipps gibt, wie man sein Business als Solopreneur gut entwickeln kann. Maik ist Systemingenieur und beschreibt sich selbst als Serial Entrepreneur, Troubleshooter, Vater von drei Kindern, Unternehmer mit Leidenschaft.

Maik spricht in seinem Podcast sowohl über Dinge, die in seinen Unternehmen funktioniert, aber auch über die, die nicht funktioniert haben. Das wirkt glaubwürdig. Gleichzeitig sind seine Tipps motivierend und gut umsetzbar. Hören Sie einfach mal rein! Lesen Sie aber zuerst unser Interview:)

Nadja: Zu Beginn der Blogreihe hat Ideenretterin Sabine Stengel gesagt, das Wichtigste beim Gründen sei, mit seiner Idee nicht zu lange zu warten, sondern einfach auszuprobieren, ob sie funktioniert. Siehst Du das auch so?

Maik:Ja, absolut. Der Plan ist der schönste Plan. Erst wenn ich Kontakt habe mit der Realität, kann ich gucken, ob das, was ich mir da ausgedacht habe, wirklich funktioniert. Ich bin absoluter Fan davon, die Dinge auszuprobieren, einfach mal einen Prototyp zu machen, die grobe Idee, die Dienstleistung auszuprobieren. Die Amerikaner sagen ja dazu Minimal Viral Product, so einfach wie möglich – und damit mal losspazieren.

Nadja: Bevor ich mich in große Unkosten stürze, einfach einmal ausprobieren, was läuft.

Maik: Ein konkretes Beispiel, was ich dieses Jahr gemacht habe: Ein Barcamp für Podcaster, die businessorientiert sind. Es gibt eine sehr aktive Szene hier in Deutschland. Das sind eher Podcaster aus Leidenschaft zu sehr verschiedenen Themen. Aber für diejenigen wie mich, die ihren Podcast mit ihrem Business verbinden, gab es irgendwie nichts. Ich wußte nicht, ob das irgendjemanden interessiert. Also habe ich einfach eine Website aufgemacht: 26. September Barcamp in Köln – wer Bock drauf hat, kann buchen. Ich habe 20 Tickets verkauft, habe 2000 Euro eingenommen und bin damit dann los spaziert und habe eine Location gesucht und bin immer im positiven Cashflow gewesen, weil ich wußte: Okay, die Leute interessiert es.

Nadja: So ähnlich bist Du ja auf die Idee mit Deinem Online-Business gekommen: Einfach den Beitrag, der am erfolgreichsten war, den hast Du ausgebaut.

Maik: Genau. Die Geschichte mit dem Podcast ist ja aus Neugier entstanden. Das hat auf eine Reise geführt vom klassischen Unternehmer-Ingenieurbüro, Mitarbeitern – so wie wir es kennen – hin in eine komplett digitale Welt meines Geschäfts. Am Ende stand vor gut einem Jahr Ende 2014 das Thema „Lastenheft erstellen“ – ein Thema, das Viele interessiert und wo ich gesehen werde und habe dann eine Nischenseite aufgebaut. Die hat in den letzten 12 Monaten etwas geschaffen, wenn mir das damals jemand erzählt hätte, ich hätte nie geglaubt, dass das funktioniert.

Nadja: Ist das ein Prinzip, das nur für Solopreneure funktioniert oder kann man es auch auf größere Teams übertragen?

Maik: Das geht aus meiner Sicht auch für größere Teams. Es ist nicht zwingend so, dass ich anfangen muss mit Community-Aufbau als Solopreneur. Das ist eins von verschiedensten Modellen. Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg haben in ihrem wunderbaren Buch „Solopreneure“, die verschiedenen Rollenmodelle von Solopreneuren beschrieben und man kann das auch auf ein Team übertragen. Es gibt ein paar andere Mechanismen, die da einspielen, wenn es Teams sind, die gründen.

  • Wie verteilt sich das?
  • Wie ist der Weg?
  • Will ich es als Bootstrapping machen?
  • Will ich einen Investor suchen?

Es gibt noch ein paar andere Regeln, die da reinspielen. Aber im Grunde ist es eigentlich egal, ob ich als Solopreneur oder als Team gründe.

Nadja: Eine Frage an die Gründer in unserer Blogreihe lautete: Welche Schritte waren nötig, um Deine Geschäftsidee umzusetzen. Und die Antwort war unisono: viele. Die meisten Gründer kämpfen mit Komplexität und wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Was wäre Dein Tipp, damit umzugehen?

Maik: Aus der Tür raus, ersten Kundenkontakt suchen.

Nadja: Also im Prinzip das, was wir schon in Frage 1 besprochen haben?

Maik: Ja, im Zweifel Telefonhörer hochnehmen, Leute anrufen. Die Leute sind offen. Ich habe bei vielen Dingen erlebt – und ich kenne zu verschiedenen Themen mögliche Ansprechpartner – wenn ich denen am Telefon sage, ich will nicht irgendwas verkaufen, ich möchte ein Feedback haben, das hilft schon viel. Und wenn das Gegenüber einem wohlgesonnen ist, und die meisten Menschen sind es, bekomme ich da eine Rückmeldung.

Wenn da schon ein verhaltenes Hm, Hm kommt, ist das schon fast ein Nein. Und wenn dann zurückkommt: Hier ist meine Platin-Kreditkarte, sag mir Bescheid, wenn Du fertig bist, ich kauf’s dann, dann weiß man schon ungefähr Bescheid. Es geht ums Testen, auf die Menschen zuzugehen, hör mal, ich sehe hier ein Problem, ich habe hier was und kann damit Nutzen stiften, siehst Du das auch so?

Nadja: Der Weg ist nicht, möglichst viele Berater um sich zu scharen, sondern auf die Leute loszugehen, die es potentiell nutzen sollten?

Maik: Der Kunde ist mein bester Berater. Und wenn ich zum Kunden spaziere und er mir sagt, das ist naja, okay, aber vielleicht könnte man es so herum machen, dann könnte ich es viel besser gebrauchen. Ich kann den Kunden und sein Problem so viel besser verstehen und vielleicht Nutzen stiften. Aber wie passgenau das ist, das kann mir kein Berater sagen, das kann mir am Ende nur der Kunde sagen, indem er mir final den Euro auf den Tisch legt.

Nadja: Und er muss das Produkt verstehen. Sonst kann er gar nicht sagen, ob ihm das Produkt gefällt oder nicht.

Maik: An der Stelle sollte man auch keine Angst davor haben nach dem Motto: Ich gehe jetzt mit meiner Idee in die Welt und dann wird sie mir geklaut. Das ist ein Angstgefühl, was ich durchaus nachvollziehen kann, was aus meiner Sicht aber etwas ganz anderes beschreibt: nämlich die Möglichkeit zu wachsen.

Wenn ich hinausgehe mit meiner Idee und mit anderen darüber rede, habe ich das erste Mal die Möglichkeit, dass ich meine Idee wie so ein Baby in die Welt gebe und ich kann Feedback bekommen und das kann manchmal schmerzhaft sein. Da sich die meisten von uns aber über Monate, meistens sogar über Jahre mit dem Thema beschäftigt haben, bis das mal irgendwann jemand aufgeholt hat, diesen Wissensstand, bin ich entweder gescheitert oder erfolgreich.

Nadja: Und außerdem kann man als Einzelkämpfer oder kleines Team auch nicht alle glücklich machen. Deshalb braucht man auch nicht so wahnsinnig viel Angst vor allen zu haben.

Das ist interessanterweise auch etwas, das viele Gründer gesagt haben, was sie jetzt anders machen würden, wenn sie noch einmal starten würden: mehr Leuten von ihrer Geschäftsidee erzählen und keine Angst davor haben, dass sie geklaut wird.

Eine Gründerin hat gesagt, dass sie am wichtigsten fand, dass sie eine genaue Vision von ihrer Geschäftsidee hatte. Und das war dann für sie wie ein Film, der abläuft. Sie musste immer testen: Passt es zu meinem Bauchgefühl oder passt es nicht, um dann die richtige Entscheidung zu treffen. Was sagst Du dazu?

Maik: Wir sind alle unterschiedliche Menschen und ich weiß, dass das bei einigen sehr gut funktioniert. Ich muss sagen, ich beneide sie darum, dass das so ist. Weil Menschen, die das können, haben eine besondere Gabe, was die Umsetzung angeht. Bei mir ist das nicht so. Ich tue mich schwer mit Visionen, überhaupt als Mensch, als Unternehmer: Ha, das ist meine Vision und so weiter. Was mir viel einfacher fällt ist zu sagen: Was ist meine Mission?

Ein befreundeter Unternehmer hat mal gesagt: Was ist mein evolutionärer Auftrag in der Welt. Wo will ich eigentlich hin? Und daraus kann ich sehr viel Energie schöpfen und entscheiden, ob das, was ich da tue als Geschäft etwas ist, was mir auch Spaß macht, wo ich auch dran bleibe und wo ich dann im Grunde auch den gleichen Effekt habe wie sie mit der Vision, zu sagen, ich will was tun, was für mich das Ziel ist.

Das ist wie ein Leitstern. Beides funktioniert gut. Das ist Typsache. Es gibt Leute, die auf der Missionsschiene unterwegs sind, andere die sehr gut über die Vision arbeiten. Prof. Burkhard Bensmann hat diese beiden Möglichkeiten mal sehr schön beschrieben in seinem Buch. Das schließt sich nicht aus. Auf keinen Fall sollte man das Gefühl haben, ich bin irgendwie falsch, weil ich keine Vision entwickeln kann.

Es gibt Menschen wie mich, die sagen, ich kann mit diesen ganzen Visionen nichts anfangen, aber Mission – ich weiß genau, mein evolutionärer Auftrag ist, was mir Spaß macht, wo ich eigentlich hin will im Leben und daraus auch ableiten, was soll es für ein Unternehmen sein.

Nadja: Ich habe den Eindruck, dass das beides doch in die gleiche Richtung geht, letztendlich geht es um den Sinn dahinter und warum ich das alles mache.

Maik: Genau.

Nadja: Ein Gründer hat gesagt, am wichtigsten würde er finden, gleich am Start mit aggressivem Marketing loszulegen und das Geld dafür von Investoren zu holen. Was sagst Du dazu?

Maik: Das kommt auf die Strategie an. Wenn du mit einem Investor startest, dann ist das Ziel des Investors, dass du diese Kohle auch nutzt und umsetzt. Mit diesem Geld hast du auch das Ziel, die Firma wertvoller zu machen. Das machst du natürlich, indem du Bekanntheit schaffst, Markteintritt schaffst usw.. Deswegen ist da Marketing die absolut richtige Vorgehensweise. Ein investorenfinanziertes Unternehmen ist nur eine Möglichkeit, wie ich mit meinem Geschäftsmodell in die Welt gehen kann.

Die zweite, traditionelle Möglichkeit ist eher die mit den Banken. Da hole ich mir Förderkredite in irgendeiner Form, die ich zurückzahlen muss. Das ist beim Investor ein bisschen anders. Da muss ich mir schon deutlich überlegen, wie investiere ich denn jetzt dieses Geld, was ich mir geholt habe, um die Hebel damit auch zu bedienen. Da wäre natürlich die Frage, ob ich das Geld erstmal in einen ersten Wurf eines Prototyps stecke, abhängig davon, ob es Produkt oder Dienstleistung ist, und den Rest dann ins Marketing.

Aber es ist schon richtig, ich muss am Ende mit einer großen Trommel da draußen rumlaufen, dass ich sichtbar werde. Und das Gleiche gilt auch für jemanden, der in den Bootstrapping-Ansatz geht. Wobei die Trommel dann zwar groß ist, aber das Ziel ist dann nur, vielleicht ein bis zwei Kunden zu finden, die mit dem Cashback mir dann den nächsten Entwicklungsschritt finanzieren. Alle drei Varianten sind richtig. Viel wichtiger ist aber der Verkauf.

Nadja: Kannst Du noch einmal das Bootstrapping erläutern, bitte?

Maik: Das ist ein Ansatz, der basiert eigentlich auf der Idee: Ich habe ein Geschäftsmodell, also etwas, das ich als Leistung oder Produkt anbieten kann, nehme ein bisschen Geld in die Hand, um das anzuschieben, oder Zeit.

Ich investiere am Anfang nicht Geld, sondern erst einmal Zeit in meine Ideen und bringe die quasi erst einmal in die Welt. Dann ist es, wenn ich es schick mache, mit der Zeit immer besser und etablierter und ich gewinne Kunden, die mir die Leistungen abkaufen, worüber ich den Geldstrom bekomme. Damit kann ich mich finanzieren. Oder ich sage, ein Teil des Geldstromes geht wieder in die Firma, um den nächsten Entwicklungsschritt zu finanzieren. Das heißt, ich gehe überhaupt nicht in irgendeine Schuldsituation, wo mir eine Bank oder ein Investor erst einmal ganz viel Geld als Hebel leiht.

Nadja: Okay, danke für die Erläuterung. Du hattest vorher gesagt, dass der Vertrieb viel wichtiger sei.

Maik: Was am Ende zählt, ist der Euro, der auf meinem Tisch landet. Alles ist wichtig: ein Produkt zu entwickeln, ein Geschäftsmodell zu bauen, eine Strategie zu haben, Markt zu haben, Marketing umzusetzen, Social-Media-Nutzung, was auch immer – alles wichtig.

Das, was am Ende zählt, ist jedoch der Euro, der auf den Tisch kommt und den bekomme ich nur, wenn ich einen Abschluss mache. Das typische Bild eines Vertrieblers ist ja immer der Klinkenputzer an der Tür. Das ist es gar nicht.

Ich habe die Situation, dass meine Kunden durch mein Marketing auf mich kommen und sagen: Hör mal Mike, ich will bei dir einen Auftrag abladen. Das ist natürlich eine sehr entspannte Situation.

Nichtsdestotrotz habe ich selbst in der Situation auf den letzten Metern ein paar wichtige Schritte zu gehen, um aus dieser Anfrage einen Auftrag zu machen, den ich hinterher auch abrechnen kann. Dieser letzte Meter ist wahnsinnig wichtig und da tun sich viele, viele Gründer oftmals schwer, weil jetzt geht’s ums Geld, jetzt geht es um nackte Zahlen. Ich muss wirklich verkaufen, so banal wie das klingt. Ich muss dem Kunden eine Möglichkeit geben, dass er am Ende mich beauftragt.

Nadja: Vielleicht müssen wir in Zukunft auch umdenken in Bezug auf Geschäftsmodelle. Mit Blick auf die von uns geführten Interviews haben die Gründer, die am erfolgreichsten waren im Sinne von Wachstum, es genau anders herum gemacht. Sie haben sich erst den Markt anguckt, sind wie audibene anhand der Marktanalysen erst auf die Geschäftsidee gekommen und haben sie entwickelt. Ist das vielleicht der Weg der Zukunft, dass man sich zuerst den Markt ansieht: was wird gebraucht, was ist vielversprechend und dann sagt, okay, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich in dem Bereich dann ein Business entwickle?

Maik: Halte ich für absolut den richtigen Weg. Ich kenne das aus dem Technologieumfeld, gerade der Informatiker und Ingenieure. Wir sind ja oftmals sehr lösungsgetrieben. Dann haben wir die ganz tolle Idee 4.0 – whatever. Dann haben wir eine Lösung und dann suchen wir das Problem. Und das funktioniert nicht. Das hat noch nie funktioniert.

Das ist in dem Sinne auch keine neue Erkenntnis, sondern wir haben jetzt einfach die Möglichkeit durch das Internet ganz anders vorzugehen. Früher habe ich eine Lösung entwickelt, habe dann irgendwelche Bänker oder Investoren von dieser Lösung überzeugt, habe dann den Kunden gesucht und bin voll ins Risiko gegangen.

Jetzt habe ich ja eine ganz andere Möglichkeit einen Markt anzugucken und zu sagen, dieses Thema Barcamp oder das Thema Lastenhefte schreiben, da fehlt – was auch immer – ich glaube, da ist ein Markt. Das kann ich heute viel stärker sehen.

Als ich das vor fünf oder zehn Jahren gestartet habe gab es diese Möglichkeit noch nicht. Das Internet gab es schon. Ich hatte aber nicht die Werkzeuge und Zugänge an der Hand, die ich heute habe. Ich kann heute einfach irgendwo auf Facebook oder Twitter oder XING was ‚reinschmeissen und gucken, wie reagiert der Markt darauf? Das konnte ich vor zehn Jahren nicht. Da gab’s noch gar kein Facebook, zumindest nicht mit den Möglichkeiten wie heute. Ich kann ganz anders vorgehen.

Ich habe mich da auch sehr stark bei meinem Service mit diesen Lastenheften von den Problemen des Marktes führen lassen und gar nicht von der Idee: ich schreibe Lastenhefte und ich mache ein Service daraus.

Das ist das Schöne daran. Und das ist ein ganz altes Konzept: Ich muss mir den Menschen angucken, was seine Probleme sind, ob ich ihm einen Nutzen stiften kann, wo er auch am Ende bereit ist, dafür Geld in die Hand zu nehmen.

Nadja: Das wäre vielleicht auch einer der Tipps, um ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln.

Maik: Ja, genau.

Nadja: Hättest Du denn noch so zwei oder drei Tipps aus Deiner Sicht, die ganz essentiell sind, außer denen, die wir schon benannt haben?

Maik: Ich muss mich grundsätzlich entscheiden, welche Form eines Startups will ich denn machen. Weil, was mich so ein bisschen stört und das ist auch mit ein Grund, warum ich den Podcast mache, ist: Es wird im Grunde immer nur so eine Variante gepredigt. Dieses: Suche dir eine Bank, organisiere dir Fördergelder oder suche dir einen Investor und gucke, dass du ganz viel Investorenkapital reinkriegst. Das ist ein Weg. Das war bis vor zehn Jahren vielleicht auch der übliche Weg, der einfachere.

Heute brauchst du das nicht mehr. Du kannst heute über kickstarter.com starten, wenn du Geld brauchst, wo du quasi vorinvestierst. Das ist super. Das funktioniert wirklich extrem gut. Daran kannst du auch schonmal so einen ersten Test machen: interessiert das überhaupt jemanden? Du kannst bootstrappen, so wie ich das mache: viele kleine Schritte und du baust ein ganz anderes substantielles Unternehmen auf.

Am Ende ist es die persönliche Frage: was will ich eigentlich? Will ich schnell Hebel haben und bei einem Buy-Out viel Geld verdienen, um die Welt zu verändern oder will ich die Welt verändern, indem ich irgendetwas Substantielles baue, was auch lang laufen kann, wo ich vielleicht mal irgendwann in zehn Jahren am Horizont die Frage habe: Will ich das, was ich da geschaffen habe an jemanden verkaufen oder will ich es einfach weiterlaufen lassen?

Diese Frage musst du dir am Anfang ganz persönlich beantworten, dementsprechend auch mit deinem Team. Es macht keinen Sinn, wenn Du vier Leute hast, zwei sind eher so für den langfristigen Ansatz – erst einmal klein starten und langfristig substantiell aufbauen – und die anderen sagen: hey, schnell viel Kohle reinholen, schnell hebeln, schnell umsetzen, schnell wieder raus und reich sein. Beides sind legitime Wege, jeder muss sich nur darüber klar sein, welcher seiner ist.

Nadja: Das ist also eine grundlegende Entscheidung der Gründerteams oder des Einzelgründers am Anfang.

Maik: Genau. Das halte ich für sehr sehr sinnvoll. Den Fehler, den ich gemacht habe: wir hatten da vier völlig unterschiedliche Vorstellungen.

Nadja: Die Erfahrung haben wir auch in der Beratung gemacht, dass Teams an so grundlegenden Fragen scheitern, die man gut zu Beginn hätte klarstellen können.

Maik: Das ist schade. Da geht viel Zeit, Energie und auch persönliche Lebensmotivation rein. Und dann da am Ende vor seinem, wenn auch nur virtuellen, Scherbenhaufen zu stehen, fünf Jahre seines Lebens da reingesteckt haben. Das ist halt einfach schade. Aber wir können es nirgendwo lernen.

Wir haben keine Kultur im deutschen Raum, was Unternehmertum schon seit Kindesbeinen sichtbar macht oder gar fördert.

Nadja: Was sagst Du zum Thema Netzwerke beim Gründen?

Maik: Verdammt wichtig. Wir müssen uns bewusst sein, es gibt verschiedene Netzwerke. Es gibt Netzwerke, in denen wir uns bewegen, um mit potentiellen Kunden zusammen zu kommen. Ich habe kürzlich z.B. einen Vortrag gehalten in einem Netzwerk, wo ich weiß, dass dort Entscheider meiner Zielgruppe unterwegs sind. Da mache ich mich sichtbar für potentielle Kunden, um dann anschließend Gespräche zu haben, um dann ein Geschäft zu machen. Das ist schon seit zehn Jahren so: Vortrag gleich Auftrag. Ich kann zwar nicht sagen, ob in zwei Wochen oder in einem Jahren, das weiss ich nie. Aber Vortrag ist immer gleich Auftrag. Das ist das eine Netzwerk.

Das zweite Netzwerk ist mit Sicherheit mein Umfeld, auch mein persönliches und privates Umfeld. Da ist immer die Herausforderung, ob ich mit den richtigen Leuten im Alltag in Kontakt bin. Ich habe leider auch da Situationen, dass es Menschen gibt, die mit meinem ganzen Gründer-, Unternehmer- und Selbständig-Sein nicht so richtig viel anfangen können und die einem versuchen – gar nicht böswillig – das auszureden. Ich bin die Summe der fünf engsten Kontakte, die ich habe.

Dann gibt es eben noch ein Netzwerk von anderen Gründern, die mich selber unterstützen können. Und dieses Netzwerk kristallisiert sich am Ende in einer Form heraus, das nennt sich MasterMinds. Das sind ganz kleine Gruppen, vielleicht vier bis sechs Leute, die sich sehr intensiv gegenseitig pushen und Feedback geben und ein stückweit auch wieder einnorden. Das ist gut, weil wir als Unternehmer als recht kreative Freigeister jeden Tag eine neue Idee haben.

Da sind diese MasterMind-Gruppen unglaublich wertvoll, wirklich hilfreich als ein Netzwerk, was einem nicht nur andere Türen noch einmal aufmacht, sondern eben auch zu sagen: hör mal, das ist ja ganz toll, dass du noch die 57. Idee hast, was du noch alles mit ‚Lastenhefte erstellen‘ machen kannst. Du sitzt jetzt aber auf dem großen Mähdrescher. Dann mäh 2016 einfach mal das Feld ab. Dann kannst du immer noch gucken, was du daraus machst.

Solche Feedbacks sind wahnsinnig wertvoll, auch manchmal hart, aber wichtig. Ich bin jetzt in verschiedenen Mastermind-Gruppen verschiedener Ausprägung drin. Das ist für mich das wertvollste Netzwerk, das ich habe, wo ich so wahnsinnig viele Rückmeldungen bekomme, die mir sonst niemand in meinem Umfeld gibt.

Nadja: Wie findest Du die MasterMind-Gruppen, über Deine Websites oder über Leute, die Du kennst, bzw. mit denen Du zu tun hast?

Maik: Im Grunde sind das drei verschiedene Szenarien:

  • Eine Gruppe habe ich aktiv zusammen gestellt. Die hat sich am Anfang erst einmal mehrmals durcheinander gewürfelt. Das ist aber völlig normal, bis sich das mal stabilisiert. Seitdem läuft die extrem stabil.
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  • Bei der zweiten Gruppe bin ich gefragt worden, ob ich Lust habe dazu zu kommen.
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  • Die dritte Gruppe hat sich durch Zufall ergeben. Da geht’s um internationales Unternehmertum, Entrepreneurship und das ging so los: komm, lass uns mal skypen. Ich habe ein paar Fragen, du hast ein paar Fragen. Dann können wir uns gegenseitig ein paar Fragen beantworten. Daraus ist eine eigenständige Mastermind-Gruppe geworden. Das war gar nicht geplant.

Bei zwei Gruppen treffen wir uns alle zwei Wochen per Skype, bei einer Gruppe alle vier Wochen. Und wir haben neben den festen Terminen noch die Möglichkeit in der einen Gruppe uns über eine eigene Facebook-Gruppe, bei den anderen beiden über Slack (https://slack.com/), uns neben den Terminen auch auszutauschen und Fragen zu stellen. Ich muss aktiv auf die Reise gehen und dann findet mich entweder eine Gruppe oder ich finde eine.

Nadja: Bietest Du eigentlich auch Mastermind-Gruppen an für Gründer, die sagen, ich will mich mit Dir und vielleicht auch mit anderen, die in dem Bereich Online-Business unterwegs sind, austauschen?

Maik: Nein. Ich biete an, die Leute zusammen zu bringen, wenn Fragen da sind, aber es ist nicht mein Geschäft. Ich bin weder als Berater noch als Business-Coach unterwegs. Ich bin Mentor. Das ist meine Rolle in Unternehmen, darauf ist auch der Podcast angelegt. Wenn einer eine Mastermind-Gruppe sucht, kann er sich gern bei mir melden. Ich kenne ein paar Leute, die auf der Suche sind. Dann gebe ich einfach die Kontakte weiter und dann bin ich auch wieder raus.

Bei einer Mastermind-Gruppe ist der entscheidende Punkt sich zu finden. Eine gute zeichnet sich dadurch aus, dass alle in etwa das gleiche Level haben, plusminus 1. Es würde herzlich wenig Sinn machen, wenn ich in meiner Mastermind-Gruppe ein Startup drin habe. Weil, der hat wahnsinnig viele Fragen, über die ich schon zehn Jahre hinweg bin und ich unterhalte mich mit anderen Unternehmern auf meiner Augenhöhe über Themen, wo er einfach glaubt, das ist ein anderes Universum. Da haben wir beide nichts davon. Deshalb macht das auch nicht viel Sinn.

Es ist nicht untypisch, dass du zwei bis drei Jahre in einer Mastermind-Gruppe bist und dann wächst du irgendwie raus oder du entwickelst dich in eine andere Richtung und die anderen wachsen raus. Leute klinken sich dann aus Mastermind-Gruppen raus und finden andere Mastermind-Gruppen, wo das Level dann wieder passt. Also unter Gründern eine Mastermind-Gruppe finden oder eine gründen ist super. Gründer mit einem sehr erfahrenen Unternehmer zusammenzubringen ist eher Mentoring.

Nadja: Also, zur Not könnte sich jemand bei Dir melden, wenn er der Meinung ist, Du bist der Richtige, der als Mentor helfen könnte.

Maik: Ja, genau. Wenn jemand Interesse hat, einfach melden.

Nadja: Wie sieht es mit Offline-Netzwerken aus? Das war jetzt alles online, worüber Du gesprochen hast.

Maik: Genau. Das Kundennetzwerk ist meistens offline. Wenn ich bei einer Veranstaltungen zu einem Fachthema einen Vortrag halte, wo die Zielgruppe unterwegs ist, da bin ich offline. Da war ich wirklich physisch vor Ort, habe den Vortrag gehalten und mich anschließend mit den Leuten unterhalten. Das ist typisch offline.

Oder Barcamps sind auch wunderbare Möglichkeiten zum einen zu netzwerken, also auch offline zu netzwerken, aber auch Sales-Pitches mal auszuprobieren.

Ich habe z.B. bei einem Barcamp, einem Projektmanagement-Barcamp, das ist auch ein Teil meiner Zielgruppe, meiner Leistungen, eine Session eingereicht. Da konnte ich sehen, wie viele Leute am Thema interessiert sind: sitzen da drei oder sitzen da zwanzig? Und wenn ich probiere, wie ich die Story baue, finden mich dann 18 bescheuert oder sagen die 20 den anderen 20, die nicht da waren, was das für eine coole Session war. Man kann da in dem physischen Netzwerk viel experimentieren. Im Zweifel ist es halt dumm gelaufen. Da bricht einem ja kein Zacken aus der Krone. Es ging ja um nichts.

Nadja: Meine letzte Frage: Würdest Du jemandem abraten ein Business zu starten, wenn er ein bestimmtes Alter erreicht hat?

Maik: Nein. Auf die Frage wäre ich gar nicht gekommen! Aber es ist interessant sie zu beantworten! Ich glaube, es ist völlig egal. Ich denke, Du kannst mit sechs Jahren schon in diese Richtung gehen und vielleicht mit einem kleinen Flohmarkt auf dem Bürgersteig vorm Haus was ausprobieren. Du kannst das machen, wenn Du jugendlicher Erwachsener bist. Du kannst in der Mitte des Lebens starten, wo die meisten starten. Warum denn nicht? Wenn du mit 60, 65 plötzlich feststellst: ich habe ein tolles Hobby, was mir wahnsinnig viel Spaß macht und ich kann durch die Möglichkeiten des Internets irgendwie mal mein Hobby so weit bringen, dass andere es faszinierend finden und auch sogar kaufen. Warum denn nicht?

Von einem alten Studienfreund von mir die Mutter ist total fasziniert von der Porzellanmalerei. Die hat alles, eine ganze Werkstatt und die macht das unglaublich toll. Sie hat jetzt die Möglichkeit – und sie ist mittlerweile an die 70 ran – und nutzt jetzt so Do-it-yourself-Verkauf-Plattformen wie Dawanda. Früher ist sie mit den Sachen auf den Markt spaziert und hat da mittwochs vormittags einfach die Sachen hingestellt, in der Hoffnung, dass vielleicht zwei bis drei Leute kommen und was kaufen. Das ist natürlich eine ganz andere Reichweite als ich über Dawanda und Ähnliches erreichen kann. Warum denn nicht?!

Nadja: Einer unserer Gründer hat gesagt: Wenn Ihr Euch nicht in Eure Kunden verlieben könnt, lasst die Business-Idee sterben und sucht Euch eine neue. Was sagst Du dazu?

Maik: Im Übertragenen ist da was dran – auf einer Metaebene. Ich muss schon mit den Menschen, mit denen ich da zu tun habe, klarkommen. Es macht wenig Sinn, dass ich leidenschaftlich gerne – keine Ahnung – Kartoffeln verkaufe, aber die Menschen, die die Kartoffeln kaufen für total bescheuert halte. Dann tue ich mich einfach schwer zu verkaufen. Aber ich bin jetzt nicht der Typ, der sagen würde, ich muss die alle lieben. Ich habe auch bei mir in meinem Kontext Menschen, da komme ich professionell super klar mit denen, alles ist gut. Aber deswegen muss ich mich nicht noch einmal um den Schreibtisch gehen und sie umarmen. Im übertragenen Sinne bin ich aber schon dabei. Sympathie hilft. Das ist die Basis für Vertrauen.

Nadja: Fehlt noch etwas aus Deiner Sicht, um ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzubauen?

Maik: Wichtig ist es, den ersten Schritt zu gehen. Dieser erste Schritt ist auch der schwerste Schritt: raus aus den eigenen vier Wänden, raus aus der Komfortzone der eigenen Gedanken, wo es keinen Widerspruch gibt, raus in die reale Welt, wo ich auch mal durch einen Schauer durchspaziere oder mit einem Gewitter zu tun habe oder plötzlich über eine sonnige Wiese spaziere. Das ist so. Das gehört dazu. Das macht es ja auch reizvoll, warum ich nie wieder in die Anstellung zurückgehen werde.

Nadja: Genau. Vielen Dank für das Gespräch!


Haben Sie Fragen zum Beratungsangebot?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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