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Die startbox Lieblingsgründer: Dezember 2012

jobchecker

Zum Jahresabschluss haben wir eine besonders schöne Lieblingsgründer-Geschäftsidee ausgesucht, die Jobchecker. Das ist ein Portal, auf dem man sich bundesweit über Ausbildungsbetriebe informieren und nach freien Ausbildungs- und Praktikumsplätzen suchen kann. Jobchecker will Schulabgängern helfen, ihren Traumjob zu finden. Dabei sollen auch die Bewertungen anderer Azubis helfen. Wir haben uns mit einem der Gründer von Jobchecker, Nils Schultze-Scharnhorst, unterhalten.

Lieber Nils, wie seid Ihr auf die Idee gekommen, Jobchecker zu gründen?

Die Idee kam uns im gemeinsamen Urlaub in Kanada. Wenn du drei Wochen lang zu zweit unterwegs bist, sprichst du zwangsläufig irgendwann über alles Mögliche und trotz Urlaub auch über den Job. Im Kern ging es dabei um die Frage, warum wir uns in den verschiedenen Phasen unseres Lebens für ein bestimmtes Unternehmen entschieden haben. Uns ist schnell klar geworden, dass es bestimmt viele tolle Arbeitgeber gibt, wir von den meisten aber noch nie etwas gehört hatten. Durch ein früheres Projekt für das Bildungsministerium kannte mein Mitgründer André zudem eine ziemlich interessante Statistik: Seit über 15 Jahren brechen jährlich rund 20% aller Azubis ihre Ausbildung vorzeitig ab. Das sind über 100.000! Jedes Jahr! Wir haben nach den Gründen dafür gesucht und schon war die Idee zu Jobchecker geboren.

Was ist das Besondere an Jobchecker – gibt es dazu nicht schon andere Angebote im Netz?

Es gibt hunderte von Azubi-Seiten, Stellenbörsen und Bewertungsportalen im Netz. Genau das ist ja das Problem: Das überfordert viele Jugendliche. Wenn man sich umfassend informieren will, muss man sich die Infos mühsam aus verschiedenen Quellen zusammen suchen. Deshalb bündeln wir die wichtigsten Ausbildungs-Infos auf einer Plattform. Dazu arbeiten wir z.B. mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) und der Bundesagentur für Arbeit zusammen, die uns statistische Daten und Steckbriefe zu über 500 Berufen liefern. Außerdem haben 20% aller deutschen Unternehmen noch keine eigene Website – werden also von Jugendlichen überhaupt nicht wahrgenommen. Ein Grund, warum gerade kleinere Betriebe extreme Probleme haben, Azubis zu finden. Deshalb bieten wir allen Unternehmen die Möglichkeit, sich kostenlos bei uns zu registrieren und über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Zudem helfen die Bewertungen anderer Azubis, sich einen ersten Eindruck vom Beruf und Betrieb zu machen. Wir sind das einzige Portal, das zeigt, welche Betriebe ausbilden, wo es freie Lehrstellen gibt und wie Azubis ihre Ausbildung bewerten. Ganz nebenbei sind wir auch das 1. Bewertungsportal, beim dem man mit seiner Bewertung gleich noch was Gutes tut: Für jede Bewertung spenden wir 1 EUR an soziale Projekte, die sich um die Ausbildungsförderung von Jugendlichen kümmern.

Das hört sich sehr gut an! Seit wann gibt es das Portal denn schon und wie soll es sich entwickeln?

Wir haben Anfang August 2012 die offene Beta-Version gelauncht. Derzeit haben wir knapp 44.000 Unternehmen in unserer Datenbank und rund 1.000 Bewertungen eingesammelt. Mit der Entwicklung sind wir sehr zufrieden. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unser Angebot weiter auszubauen. Dazu planen wir eine ganze Reihe von Maßnahmen:

  • Kooperationen mit Schulen und Berufsverbänden,
  • Informationsveranstaltungen mit Wirtschaftsförderungen und Bildungseinrichtungen und so weiter.

Wir hoffen, dass wir möglichst viele Schüler, Azubis und Unternehmen von Jobchecker überzeugen können. Deshalb ist das quantitative Wachstum für uns eher zweitrangig. Viel wichtiger ist es, dass wir möglichst vielen Jugendlichen helfen können, den Job und Arbeitgeber zu finden, der wirklich zu ihnen passt. Und umgekehrt, dass die Betriebe gut qualifizierte Bewerber bekommen. Das braucht natürlich ein bisschen Zeit, aber wir sind da sehr optimistisch.

Was war bisher die größte Herausforderung?

Genau genommen stehen wir noch vor der größten Herausforderung: Jobchecker auf absehbare Zeit profitabel zu machen. Bislang haben wir alles weitgehend aus eigenen Mitteln und durch einen Gründerkredit finanziert. Bei einem Projekt dieser Größenordnung müssen wir aber personell und infrastrukturell noch deutlich aufrüsten, um uns weiter erfolgreich am Markt zu positionieren und dauerhaft dort etablieren zu können.

Was ist anders gelaufen, als Ihr Euch das vorgestellt habt?

Die Gespräche mit Unternehmen sind teilweise schwieriger, als wir uns das vorgestellt haben. Wir sind davon ausgegangen, dass es leichter ist, Ausbildungsbetriebe davon zu überzeugen, sich bei uns zu präsentieren – zumal ein (Basis-)Firmenprofil mit Logo, Kontaktdaten und Ausbildungsmöglichkeiten kostenlos ist und der Bedarf sowohl auf Seiten der Firmen als auch der Azubis nach wie vor groß ist. Viele Unternehmen sind aber schon regelrecht frustriert, weil sie in den letzten Jahren oftmals nur schlechte oder gar keine Bewerbungen mehr bekommen haben. Hier muss man erstmal viel Überzeugungsarbeit leisten, dass es heute eben nicht mehr reicht, einmal eine vierwöchige Stellenanzeige zu schalten, um einen guten Azubi zu bekommen. Vielmehr muss man ganzjährig präsent sein und offensiv die Vorteile des eigenen Betriebs bewerben. Hier haben vor allem kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe noch einigen Nachholbedarf.

Was ist Euer Tipp für Gründer?

Nicht entmutigen lassen und immer weiter an die eigene Idee glauben! Gerade während der Gründungsphase hat man mit so vielen bürokratischen Hürden und Bedenkenträgern zu tun, dass man sich oft fragt, warum man sich das eigentlich alles antut. Aber: das Durchhalten lohnt sich! Positives Feedback von Nutzern und Kunden treibt uns jeden Tag an und gibt uns das gute Gefühl, alles genau richtig gemacht zu haben!

Was war bisher Euer größter Erfolg?

Nach knapp 9 Monaten intensiver Konzeptions- und Umsetzungsphase haben wir uns sehr gefreut, als Jobchecker Anfang August dann endlich an den Start gegangen ist und wir unser „Baby“ der Öffentlichkeit präsentieren konnten. Das war schon ein sehr gutes Gefühl. Zu wissen, dass sich die unzähligen Nachtschichten und Diskussionsrunden mit Beratern, Agenturen, Freunden, Bekannten und – nicht zu vergessen: unseren Freundinnen – doch gelohnt haben!

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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