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Die startbox Lieblingsgründer: August 2013

MIke Zieseler

Migrador ist ein Online-Reisebüro für Outdoor- und Aktivurlaub jenseits des Massentourismus. Die beiden Gründer sind Mike Zieseler und Sven Krawehl. Wir haben uns mit einem der Gründer, Mike Zieseler unterhalten.

Mike, seit wann gibt es Migrador?

Als Unternehmen gibt es uns seit November 2012. Die Idee tragen wir bereits seit 2009 mit uns herum und haben verschiedene Aspekte vor dem Start getestet.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, Migrador zu gründen?

Aus einer persönlichen Problematik heraus. Ich wollte eine Fahrradtour in einer Gruppe unternehmen. Leider fährt niemand aus meinen Freundes- oder Bekanntenkreis mehrere Tage mit dem Fahrrad. Ein Reisebüro mit dieser Spezialisierung kenne ich nicht, denn ich habe nur die großen Ketten in meiner Umgebung. Also blieb mir nur die sehr zeitaufwendige Suche auf vielen Webseiten im Internet. Auf der einen Seite gibt es Angebote für sportliche Rennradfahrer – ich bin aber eher der gemütliche Tourenradler, der auch einmal einen Zwischenstopp einlegt und die lokale Natur und Kultur genießt und erkundet. Auf der anderen Seite gibt es viele Reiseveranstalter, die sich als Spezialisten nur einer Region sehr gut auskennen. Diese Suche war sehr frustrierend, da sie zeitaufwendig war und viele Webseiten mit verschiedenem Informationsstand auf mich warteten. Die Idee von migrador.de war geboren.

Wofür steht der Name Migrador?

Bei Touren in der Natur begegneten uns viele Tiere, die für ein Logo in Betracht kamen. Gleichzeitig sollte das potenzielle Tier möglichst überall auf der Welt vorkommen, einen schönen und internationalen Namen haben und keine negativen Assoziationen wecken. Eine schwierige Aufgabe, die am Ende zu „migrador“ führte.

Die Wort-Bild-Kombination besteht aus dem Wort migrador, abgeleitet aus dem spanischen Wort für Zugvogel – ave migratoria- und dem Bild eines Vogels. Es ist in dunklen Naturfarben schwarz und grün gehalten, um die Nähe und Verbundenheit des Unternehmens und der Reisen zur Natur darzustellen. Der Vogel symbolisiert die Freiheit zu Reisen. Mit einer Reise von migrador.de kann man diesen Ballast abwerfen, sich frei fühlen und seine Reiseleidenschaft frei entfalten. Bei dem Wort migrador wurde absichtlich auf Schnörkel oder Ähnlichem verzichtet, da gradlinig, einfach gehaltene Schrift für das Schöne in der Einfachheit steht, so wie man einfaches Wandern, Trekking oder Radfahren genießen kann. Unterstützt wird die Marke von dem Slogan „Reise intensiver“. Ein Slogan der mehr ein Versprechen sein soll. Migrador.de vermittelt eben nicht einfach nur Reisen, sondern intensive, unvergessliche Erlebnisse.

Was ist das Besondere an Migrador? An Reiseangeboten im Netz mangelt es ja nicht!

Zusammen mit meinem Mitgründer Sven suchen wir die Spezialreiseveranstalter für gruppengeführte Reisen fernab des Massentourismus und bereiten die Informationen einheitlich auf. Jedoch sind wir mehr als nur eine Vergleichsplattform. Wir bieten Urlaubssuchenden eine Beratung per Telefon, E-Mail oder Chat an, schauen ob sich einzelne Bausteine wie Flüge, Touren sowie Versicherungen kombinieren lassen oder informieren über aktuelle Trends oder Ereignisse aus der Branche.

Für die Zahlenliebenden unter den Lesern. Von den 70,3 Mio. Einwohnern Deutschlands, welche älter als 14 Jahre sind, haben erst 23,2 Mio. oder 33 % jemals eine Reise online gebucht. Von den 51,6 Mio. Onlinern – also Bundesbürger, die sich aktiv online bewegen – haben sogar 47 % eine Reise online gebucht. Auf der anderen Seite sind und werden Outdoor- und Aktivreisen immer beliebter. Unsere Partner aus dem „forum anders reisen e.V.“ hatten allein im letzten Jahr ein Umsatzplus von 24,3 % gegenüber 2011. Viele Angebote entstehen erst jetzt und die Buchungen im Internet nehmen immer weiter zu. Wir von migrador.de helfen bei der Übersicht.

Wie wählt Ihr die Angebote aus – alle selbst getestet?

Das wäre natürlich ein Traum, wenn wir alle unserer derzeit über 1.500 Reisen persönlich testen würden. Danach hätten wir beinahe die ganze Welt gesehen und mehrfach per Flugzeug, Schiff, Fahrrad, Kamel, Pferd, zu Fuß oder mit Steigeisen umrundet.
Wir suchen unsere Partner – die Reiseveranstalter – persönlich aus und nehmen auch nicht Jeden auf migrador.de auf. Auch die Touren sind handverlesen, jedoch meist automatisch mit der Datenbank des Veranstalters verbunden. Das sichert uns die Verfügbarkeit bzw. Aktualität von Reisen und aktuelle Änderungen der Routen, da wir abhängig von der Natur sind. Wir versuchen den Urlaubssuchenden somit eine große und breite Auswahl an Reisen in allen relevanten Reisewelten und Kategorien zu zeigen. Wir haben jedoch auch weitere Touren die wir bei persönlicher Beratung gern vermitteln.

Was waren die größten Klippen bei der Gründung?

Die größten Hindernisse waren die unerwarteten Herausforderungen im Gründungsprozess. Zum einen gab es eine Gesetzesänderung zwei Monate vor Gründung in einer ganz anderen Branche, die unser Geschäftsmodell fast auf den Kopf gestellt hat. Plötzlich war es nicht mehr möglich, wie in einem klassischen Reisebüro vor Ort die Reisen zu bezahlen. Die Kunden zahlen seitdem direkt an den Reiseveranstalter. Es waren einige technische Umbauten an der Webseite, aber vor allem Überzeugungsarbeit und Erklärungsschritte bei den Reiseveranstaltern – insbesondere für die im Ausland ansässigen Partner – nötig. Zum Anderen hat sich der formelle Gründungsprozess mit drei Monaten unerwartet lange hingezogen. Heute schauen wir schmunzelnd auf diese Monate zurück, damals mussten wir jedoch schnell reagieren und das Geschäftsmodell anpassen.

Was waren die wichtigsten Erfolge?

In den letzten Wochen und Monaten waren die Erfolge oder Momente des Glücks immer kleiner Natur. Der Erhalt der Steuernummer, um offiziell beginnen zu dürfen, die erste Kundenanfrage per E-Mail, die erste Messe mit eigenem Unternehmen, der erste Telefonanruf, die erste Buchung, der erste Zeitungsartikel und vieles mehr.

Was ist das nächste große Etappenziel?

In der nahen Zukunft möchten wir Investoren finden, um das Angebot an spannenden Reisewelten und Touren kontinuierlich zu erweitern, den Kundenservice zu verbessern und auch die Marketingmaschine ordentlich anzuwerfen. Wir sind derzeit aktiv in der Vorbereitung eines Crowdinvesting.

Die Reise von migrador.de hat erst begonnen und bietet noch viele Erweiterungsmöglichkeiten, die wir lieber heute als morgen umsetzen möchten.

Würdet Ihr alles wieder genauso machen?

Im Großen und Ganzen würden wir den Schritt in die Selbstständigkeit immer wieder gehen. Die persönliche Lernkurve an neuem Wissen und Fähigkeiten ist enorm.

Es gibt natürlich auch Dinge, die wir rückblickend anders und effizienter angehen würden. Hier würden wir beispielsweise die Entscheidungsfindung und die Umsetzung von Ideen herausheben. Einige Entscheidungsprozesse haben in der Vergangenheit deutlich zu viel Zeit in Anspruch genommen, wie etwa die Wahl der Buchhaltungssoftware oder das Design des Briefpapiers. Andere Entscheidungen dagegen sind zu schnell gefallen und haben nicht mehr die nötige Reflexion mit sich gebracht. Bei uns war das die Aufgabenverteilung im Unternehmen. Es gibt auch Sachen, die wir gleich lassen würden, um unsere Zeit auf andere Dinge zu fokussieren. Jedoch sind wir nachher immer schlauer und es gehört zum Gründeralltag dazu Fehler zu begehen. Aus unserer Erfahrung hilft dagegen, nicht nur über Ideen sondern auch einmal über Erwartungen an das Unternehmen und die Mitgründer zu reden.

Was ist Euer Tipp an andere Gründer bzw. die wichtigste Lehre aus der Gründung?

Gründern können wir empfehlen immer im Team zu gründen. Es kann nicht nur die Arbeit auf viele Schultern verteilt werden, sondern auch andere Meinungen eingeholt und Unklarheiten geklärt werden. Verträge oder Abmachungen über Entscheidungskompetenzen und -mechanisen sollten vor der Gründung schriftlich festgehalten werden. Das erleichtert die zukünftige Zusammenarbeit erheblich.

Sehr empfehlenswert ist der Aufbau eines Netzwerkes, in dem man als Gründer Messen, Veranstaltungen und Branchen-Treffen besucht. Auch wenn man als Gründer dort 99 überflüssige Ratschläge oder Meinungen zur Geschäftsidee hört, könnte der 100. Hinweis Goldwert sein. Wichtig ist auch bei all den externen Einflüssen, dass man sich immer wieder fokussiert und am Alleinstellungsmerkmal arbeitet.


Kostenloses eBook: LieblingsgründerIn 2013
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Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 893 75 001 E-Mail: info@startbox-berlin.de

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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