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Gastbeitrag: Erst mal sehen, was Franchise hat

Franchise

Ein Beitrag von Franchise-Berater Eugen Marquard: So peppig wie die Start-up-Szene – aufregend, bunt, sexy und häufig auf einen nervkitzelnden Exit fokussiert – kommt das Image von Franchise-Gründungen nicht daher. Das mag daran liegen, daß die Franchisebranche mit praxiserprobten Geschäftsideen wirbt oder oft in Bereichen anzutreffen ist, wo der persönliche Kontakt zum Kunden und weniger das Internet für den Verkaufserfolg entscheidend ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass es im Franchise nicht um einen schnellen und lukrativen Unternehmensverkauf geht, sondern um den systematischen Aufbau eines Geschäfts, das den Gründer dauerhaft ernährt. Für Entspannung sorgt bei Franchise-Gründungen, dass niemand Angst haben muss, dass einem die Geschäftsidee geklaut wird. Es gibt sie ja schon. Mein Eindruck ist, dass potentielle Gründer die Möglichkeit einer Franchise-Gründung manchmal etwas voreilig in den Papierkorb werfen. Dieser Beitrag möchte Gründungs-Interessierte dazu anregen, zumindest einmal zu schauen, was Franchise so an Möglichkeiten bietet.

Mißverständnis 1: Franchise ist doch nur Gastronomie

Richtig ist, dass System-Gastronomie und Franchising nahezu nur zusammen gedacht werden können. Aber auch weitere Branchen sind überwiegend durch die Organisationsform Franchise geprägt, wie z.B. Nachhilfeschulen, Fitness und Wellness. Letztlich ist Franchising in jeder Branche anzutreffen: Textilwirtschaft, Optiker, Apotheken, Makler, Hausbauer, Fahrschulen, Versand-Dienste, Artikel für Kinder und Babys, Schuhe, Handwerk, Möbel, Lebensmittel, Seniorendienste, Baumärkte usw.. Selbst ich erwische mich heute noch bei dem „Ach-die-sind-auch-Franchise?!“-Effekt. Kein Wunder, bei über 1.000 Franchisesystemen allein in Deutschland.

Mißverständnis 2: Ein Franchise-Nehmer hat immer nur ein Unternehmen und ist nur einem Franchise-System angehörig

Richtig ist, dass ein Franchise-Nehmer mit einem Unternehmen in seiner Stadt beginnt. Viele Franchise-Geber achten aber bereits bei der Auswahl ihrer Partner darauf, dass diese das Potenzial und den Willen mitbringen, mehrere Standorte aufzubauen. Manche Franchise-Nehmer entscheiden sich auch für mehrere Lizenzen unterschiedlicher Franchise-Konzepte, die sich z.B. saisonal ergänzen. Schließlich gibt es noch Franchise-Nehmer, die eine Rolle als Master- oder Gebietspartner einnehmen oder parallel und ganz ohne Franchising selbst entwickelte Geschäftskonzepte an den Markt bringen. Der unternehmerischen Vielfalt von Franchise-Nehmern sind keine Grenzen gesetzt. Der Franchise-Nehmer konzentriert sich anfangs darauf, ein bewährtes Geschäftskonzept an die Bedingungen seines Standortes anzupassen – bereits das ist eine unternehmerische Herausforderung – und lagert vieles von dem, was nicht mit seinem Kerngeschäft zu tun hat, an seinen Franchise-Geber aus. So gibt er sich die Chance, mit der Zeit zu einer reifen Unternehmer-Persönlichkeit zu wachsen. Aus dieser Perspektive kann eine Franchise-Partnerschaft als eine „Schule des Unternehmertums“ verstanden werden, die
perfekt auf weitere Unternehmungen vorbereitet.

Gute Franchise-Geber wissen auch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich ein Gründer im Alter von 25-45 Jahren für ein Franchise-System entscheidet und diese Entscheidung an einem einzigen Standort für die nächsten 20-40 Jahre genauso so beibehält. Nein, Franchise-Nehmer können und müssen sich unternehmerisch entwickeln – wie andere Selbständige auch. Deshalb passt statt „Franchise-Nehmer“ auch gut der Begriff „Franchise-Unternehmer“. Viele Franchise-Geber verfolgen die Strategie, allen Franchise-Unternehmern innerhalb ihres Netzwerk Möglichkeiten der Entwicklung zu bieten.

Missverständis 3: Franchise-Nehmer sind keine echten Unternehmer

Solche Vorwürfe müssen sich Franchise-Nehmer manchmal anhören. Es geht auch noch etwas diskriminierender: „Franchise-Nehmer sind Unternehmer zweiter Klasse“ oder „Scheinselbständige“. Abgesehen davon, dass das alles auf Franchise-Nehmer gar nicht zutrifft, frage ich mich, wofür solche Kategorisierungen eigentlich dienen, außer dem „Deutschen Kampf gegen die Selbständigkeit“ wie es so treffend ein Titel des Wirtschaftsmagazins „brandeins“ einmal titelte.

Ein Merkmal, das einer Franchise-Gründung in der Tat fehlt, ist die Freiheit zu einem Unternehmertum im Sinne eines Komponisten oder Künstlers wie es z.B. von Prof. Faltin vom Arbeitsbereich Entrepreneurship der FU Berlin gefördert wird. Aber auch für Franchise-Gründer gilt: Nur Nachmachen reicht nicht aus. Wie jede andere Existenzgründung braucht eine erfolgreiche Franchise-Gründung Unternehmertypen. Vermutlich relativieren sich unterschiedliche Selbständigkeits-Definitionen auch angesichts des Erfolgs. Was will man Inhabern, insbesondere von mehreren OBI-Märkten, Schülerhilfen, Mrs.Sportys, CleverFit oder Getränke Hoffmann auch anderes sagen als einfach: „Herzlichen Glückwunsch, alles richtig gemacht!“?

Kein Missverständnis: Mangelnde Transparenz in der Franchise-Wirtschaft

Schwarze Schafe gibt es in jedem Wirtschaftsbereich. Aber wenn Franchise ein Vertrauensproblem hat, dann liegt es vor allem daran, dass manche Franchise-Systeme nur ungern Fakten herausgeben oder sich ungern z.B. durch den Systemcheck des Deutschen Franciseverbands (DFV) regelmäßig prüfen lassen. Nikolaus Förster, der Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins impulse hat dieses Problem auf den Punkt gebracht: www.impulse.de.

Es gibt seriöse und unseriöse Franchisesysteme. Diese zu filtern, ist noch relativ einfach. Die eigentliche Herausforderung für den Franchise-Interessierten Gründer ist es herauszufinden, ob eine Franchisegründung überhaupt das Richtige für ihn ist und falls ja, welches System zu ihm passt und umgekehrt. Dazu zwei wichtige – vor Vertragsunterzeichnung zu berücksichtigende – Tipps:

Tipp 1: Hartnäckig nach Fakten recherchieren
Franchise-Interessierte Gründer sollten bei den in Frage kommenden Systemen hartnäckig nach Fakten bohren sowie persönlich und intensiv mit bereits aktiven Partnern des Systems sprechen.

Tipp 2: Entwickelt das System sein Geschäftskonzept weiter?
Ein guter Franchise-Geber hat nicht nur ein bewährtes Geschäftskonzept, sondern entwickelt es – ganz im Sinne von Faltin – beständig weiter. In der Franchisezentrale muß dieser innovationsfreudige Geist zu spüren und entsprechend aufgeschlossene Personen zu identifizieren sein.

Fazit:

Wer beim Lesen dieser Zeilen noch keine eigene Geschäftsidee in Planung hat, für die er alles andere sofort stehen und liegen läßt und zugleich doch den Unternehmer in sich spürt, sollte sich zumindest einmal mit der Möglichkeit einer Franchise-Gründung beschäftigen. Eine solche offene Herangehensweise entspricht ja bereits unternehmerischem Handeln.

Im Internet findet sich vieles zum Thema. Ich empfehle einige Interviews mit Franchisenehmern auf der Homepage des DFV.
Wer persönlich Rat und weitere Informationen sucht, erhält diese z.B. am Franchise-Telefon (www.franchise-telefon.de) oder bei einem persönlichen Gespräch in meiner Franchiseberatung Unternehmen Selbständigkeit in Teltow vor den südwestlichen Toren Berlins.

Eugen Marquard
Unternehmen Selbständigkeit
In der Biomalzfabrik, Altes Kontorhaus,
Iserstr. 8-10, 14513 Teltow bei Berlin
T: 03328 – 338 98 78 M: 0172 – 79 30 452
E-Mail: em@unternehmen-selbstaendigkeit.de

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Autor: Andrea Rochlitz

Seit 2006 bin ich begeisterte Unternehmerin. Inzwischen habe ich über 100 Firmen zu ihrer Corporate Identity beraten. Was macht ein Unternehmen aus, welche Werte und Visionen stehen dahinter und wie können diese dem Kunden vermittelt werden? Diese Fragen möchte ich gerne gemeinsam mit dem Existenzgründer klären. Als sehr kreativer Mensch habe ich für meine Mandanten oft auch ungewöhnliche Ideen für das Marketing.

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