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Gründer erzählen: The Fair Traders

Birgit Schlemmer, Foto: Hartmut Becker

Schmuckdesignerin Birgit Schlemmer hat im Oktober 2016 die Galerie
The Fair Traders für nachhaltigen Schmuck und Accessoires in Berlin gegründet.

The Fair Traders ist die erste Galerie in Berlin, die ausschließlich Schmuck und Accessoires anbietet, die aus fair gehandelten Rohstoffen gearbeitet oder aus dem Re- und Upcycling entstanden sind.

Die Galeristin selbst fertigt Schmuckstücke aus Kieselsteinen.

Warum haben Sie eine Galerie gegründet?

Als Schmuckdesignerin hatte ich schon lange den Wunsch eine Galerie zu gründen. Es liegt mir sehr, meine Begeisterung für schöne Schmuckstücke von anderen Designern zu vermitteln und sie zu empfehlen.

Doch Auslöser war für mich, dass endlich seit Januar 2016 der Handel mit Fairtrade-zertifiziertem Gold in Deutschland möglich ist.

Ich will zeigen, dass es auch in der Schmuckproduktion möglich ist, schöne und auch fair gehandelte Produkte anzubieten.

Die Lizenzen vergibt jetzt in zwei Registrierungsmodellen Fairtrade Deutschland. Sie werden von der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLOCERT überprüft.

Ringe von Adam & Stoffel

Ringe aus alten Weinflaschen von Adam & Stoffel

In der Galerie hält der Fairtrade-Gedanke alles zusammen. Mein Angebot erweitere ich dementsprechend stetig.

Das passende Design ist mir dabei sehr wichtig. So gibt es nicht nur Schmuck aus Fairtrade-Gold und recyceltem Silber, sondern auch Ringe aus alten Weinflaschen, Uhren aus Holz, Strohhalme aus Glas und solarbetriebene Schmuckgläser für den Garten.

Warum ist Fair Trade für Sie so wichtig?

Fairtrade spielt für mich schon lange eine Rolle. Ich versuche für meine Familie und mich möglichst alle Waren aus dem fairen Handel zu erwerben. Oft macht man es aus Bequemlichkeit nicht.

Aber sehr konsequent bin ich, seitdem ich die Reportagen 2012 nach der Katastrophe in der Textilfabrik in Bangladesh gesehen habe.

Ich wollte etwas tun und ein Zeichen setzen gegen schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen in anderen Ländern. Die Gründung von The Fair Traders war für mich dann der nächste logische Schritt.

Welche Herausforderungen mussten Sie für die Gründung der Galerie meistern?

Eigentlich hat alles bis auf den Papierkram Spaß gemacht: den Raum für die Galerie finden, die Vitrinen auswählen, das Corporate Design und die Website entwickeln.

Im Vordergrund stand für mich jedoch die Auswahl des Schmucks. Ich wollte nicht nur ästhetisch ansprechende Produkte auswählen, sondern dabei auch vertrauensvolle Partner finden.

Vor der Gründung habe ich mir deshalb drei Monate Zeit genommen, um die einzelnen Schmuckdesigner zu besuchen und sie kennenzulernen.

Ringe aus Kieselsteinen von Birgit Schlemmer, Foto: Birgit Schlemmer

Ringe aus Kieselsteinen von Birgit Schlemmer

Gut war, dass ich klein gestartet bin, ohne ein existentielles Risiko einzugehen. Denn bis auf den Ankauf des Schmucks musste ich nicht viel investieren. Daraus ergab sich eine gewisse Leichtigkeit. Ich möchte langsam wachsen.

Spielte Ihr Lebensalter eine Rolle beim Gründen?

Wenn man für etwas brennt und das unbedingt machen möchte, dann spielt das Lebensalter keine Rolle. Es kommt auf die eigene innere Überzeugung an. Ich wollte unbedingt, dass es klappt und habe einfach aufgemacht.

Klar ist es mit Familie nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich wohne in der Nähe und die Kinder sind ab 12 Jahre aufwärts.

Wer hat Sie bei der Gründung unterstützt und was hat Sie motiviert?

Die Leute aus dem Coworking Space Impact HUB haben uns unterstützt und die Ideenretterin Sabine Stengel hat uns konzeptionell beraten. Dazu habe ich passende Grafiker und Entwickler für die Website gefunden.

Großartig finde ich, dass die Kinder mich unterstützen wo sie können. Sie haben die Social-Media-Kanäle bei Facebook und Instagram eingerichtet, für mich die ersten Posts veröffentlicht und im Viertel Flyer für unser Event verteilt.

Sehr motivierend ist auch, dass die Leute aus dem Kiez unsere Galerie so gut annehmen: Sie kommen immer wieder vorbei und empfehlen uns weiter. Das sorgt für eine tolle Atmosphäre.

Was war nach der Gründung anders als Sie es erwartet haben?

Ich bin überrascht, dass viele meiner Kunden jünger sind als gedacht. Häufig kommen Leute, die Mitte 20 sind und einfach tollen, fair gehandelten Schmuck kaufen wollen.

Besonders überraschend war für mich eine Konfirmandin, die mit ihrer Mutter herkam, weil sie unbedingt eine Kette und einen Ring aus Fair-Trade-Gold haben wollte. Die Mutter hat den Schmuck dann auch für ihre Tochter gekauft.

Was war die größte Schwierigkeit?

Es gab Tage im Winter, die so grau waren und an denen erst ab 16 Uhr ein paar Kunden vorbei kamen. Da kommt man ins Grübeln und Selbstzweifel steigen hoch: War das die richtige Entscheidung? Man muss dann aufpassen, dass man nicht in blinden Aktionismus verfällt, um ein bisschen Umsatz zu machen.

Wie haben Sie die Situation gemeistert?

Na, ich musste ich mir etwas einfallen lassen. Ich war beispielsweise auf der Schmuckmesse in München, um weitere Partner zu finden und das Sortiment zu erweitern.

Außerdem habe ich einen Fahrradständer mit unserem Logo aufgestellt, sodass man unsere Galerie besser bemerkt. Jetzt im Juli organisierten wir ein Event, bei dem unsere Besucher ihren Lieblingskiesel mit einem Loch versehen zu lassen und ihn so zu einem Schmuckstück machen konnten.

An weiteren Ideen mangelt es uns zum Glück nicht und die Galerie spricht sich herum.

Was ist Ihr bisher wichtigster Erfolg?

Es war sehr schön, die ersten Eheringe zu verkaufen und die glücklichen Paare zu erleben. Überhaupt sind die zufriedenen Kunden am wichtigsten. Für die Beratungsgespräche nehme ich mir bewusst viel Zeit.

Trauringe von Lisbeth Busmann, Foto: Lisbeth Busmann

Trauringe aus Fair-trade zertifiziertem Gold von Lisbeth Busmann

Begeistert bin ich nach wie vor, dass mein Konzept auch bei jungen Menschen so gut ankommt. Sie kommen zum Teil extra aus Friedrichshain in unsere Galerie. Wir haben offensichtlich einen Nerv getroffen.

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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