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Gründer erzählen: Xaxiraxi

Sabine Schmidt, Foto: Lidia Tirri

Die Berlinerin Sabine Schmidt hat im Herbst 2016 ihr Unternehmen Xaxiraxi gegründet und im Sommer 2017 ihre erste Kollektion auf den Markt gebracht.

In dem Onlineshop gibt es feminine Kleidung aus hautfreundlichen Stoffen, die die Gründerin nach eigenen Entwürfen produzieren lässt.

Xaxiraxi steht dabei für das Besondere im Menschen. Der Name kommt von den Kanarischen Inseln, wo Sabine Schmidt lange gelebt hat. Die Ureinwohner der Inseln nannten so ihre Göttin des Lichts.

Lesen Sie, welche Hürden Sabine Schmidt auf dem Weg zur Unternehmerin genommen hat.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Xaxiraxi zu gründen?

Seit frühester Kindheit litt ich an Neurodermitis und hatte Schwierigkeiten, Kleidung für meine extrem sensible Haut zu finden.

Obwohl wir kaum einen Gebrauchsgegenstand so nah an uns heran lassen wie unsere Kleidung, erfahren wir fast nichts über die bei der Herstellung verwendeten Inhaltsstoffe. Die Reihe der chemischen Prozesse, die unsere Garderobe farb- und formbeständig, knitterfest und fusselfrei machen, ist lang und von den rund 1600 eingesetzten Farben gilt nur ein verschwindender Teil als unbedenklich.

Für Menschen mit Hautproblemen und Allergien birgt dies nicht selten eine Verschlimmerung des Leidens, da es keinerlei Hinweise auf potentiell schädliche Stoffe und Allergene gibt.

Was war der entscheidende Moment, an dem Sie gesagt haben: Jetzt gründe ich?

Im Sommer 2014 hatte ich mir wieder einmal ein Oberteil gekauft, gewaschen, das Etikett entfernt und beim zweiten Tragen eine Hautreaktion bekommen. Das war der Impuls nach Kleidung zu suchen, die Menschen mit einer so sensiblen Haut wie meiner problemlos tragen können.

Als ich trotz intensiver Recherche nicht fündig wurde, kam mir eines Morgens der Gedanke: „Wenn es bislang keiner macht, muss ich es selbst tun.“

Lebensfrohe Kleidung von Xaxiraxi, Foto: Juanmi Alemany

Lebensfrohe Kleidung von Xaxiraxi, Foto: Juanmi Alemany

Welche Herausforderungen mussten Sie meistern, um zu gründen?

Als mir die Idee zu hautfreundlicher Kleidung kam, lebte ich noch auf Teneriffa und es war schnell klar, dass ich zur Realisierung dieses Projekts zurück in meine Heimatstadt Berlin musste, da es in Spanien kaum Unterstützung für Gründungsvorhaben gibt.

Welche Schwächen mussten und müssen Sie überwinden?

Ich bin Diplomkauffrau und hatte keine Erfahrung in der Textilbranche. Deshalb galt es zunächst, mich in dieses völlig neue Feld einzuarbeiten, indem ich mich online informierte, Fachmessen besuchte und mich mit Designern vernetzte.

Wer hat Sie unterstützt und was hat Sie motiviert?

Meine wichtigsten Unterstützer von Anfang an waren und sind meine Eltern, die meine Schwierigkeiten, geeignete Kleidung zu finden, von Kindheit an kennen.

Neben meinen Freunden haben mich der Austausch mit anderen Gründern, Veranstaltungen wie die deGUT, die Gründerwoche, bei der Gründerinnenzentrale und Weiberwirtschaft etc. sehr unterstützt und mir ermöglicht, ein umfangreiches Netzwerk aufzubauen.

Auch das Vor-Gründungscoaching zur Erstellung meines Businessplans hat mir sehr geholfen, meine Geschäftsidee zu konkretisieren und zu strukturieren.

Hat Sie etwas behindert oder blockiert?

Die Ablehnung meines Antrags auf einen Gründerkredit durch die KfW, mit der Begründung, dass ich über keinerlei Branchenerfahrung verfüge, war zunächst ein Schock. Mein BWL-Studium allein hatte sie nicht überzeugt. Ich legte begründeten Widerspruch ein, justierte den Businessplan und erhielt im zweiten Anlauf meinen Kredit.

Insgesamt dauerte der Prozess jedoch fast sechs Monate, wodurch sich mein Markteintritt stark verzögerte und ich erst mitten in der Sommersaison auf den Markt gehen konnte.

Was war die größte Schwierigkeit?

Das größte Problem bestand lange Zeit darin, zertifizierte Biobaumwolle in kleinen Mengen nach meinen Vorstellungen produzieren und mit meinem Designs bedrucken zu lassen.

In dieser Branche ist es üblich, entweder fertige Stoffe zu kaufen oder große Mengen herstellen zu lassen, was dann ab 600 oder 1000 m im Rotationsdruck geschieht. Als junges Unternehmen kamen solche Mengen natürlich nicht infrage. An diesem Problem wäre mein Vorhaben fast gescheitert.

Wie haben Sie die gemeistert?

Auf Empfehlung habe ich die Textildesignerin Katrin Dauer von Biostoffe-Berlin kennengelernt, die seit geraumer Zeit mit einer GOTS-zertifizierten Produktionsstätte in der Türkei zusammenarbeitete.

Sie hat dann meine Designs professionell umgesetzt und dort digital auf Biobaumwolle drucken lassen. Dieses Verfahren ist zwar teurer, kann aber ab vergleichsweise kleinen Abnahmemengen eingesetzt werden.

Kleid von Xaxiraxi, Foto: Juanmi Alemany

Kleid von Xaxiraxi, Foto: Juanmi Alemany

Was hat sich dann geändert und entscheidend verbessert?

In der türkischen Firma wurde eine besonders weiche Biobaumwolle produziert, ein Interlock oder Bio-Jersey, der auch ohne Elastan relativ dehnbar ist und sich besonders anschmiegsam auf der Haut trägt.

Besonders ist dabei, dass dort im digitalen Druck Biofarben verwendet werden, was bislang noch relativ selten ist und meine exklusiven Stoffe und Designs auch in kleinen Mengen hergestellt werden.

Was ist Ihr bisher wichtigster Erfolg?

Meine klare Vorstellung von der Kleidung, die ich herstellen möchte und diese trotz anfänglicher Hindernisse im Sommer 2017 erfolgreich auf den Markt gebracht zu haben.

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

Als Existenzgründerin braucht man eine Vision und Durchhaltevermögen und muss gleichzeitig flexibel auf neue Situationen reagieren. Die Herausforderung besteht darin, zu wissen, wann Anpassungen nötig sind und wann man einfach Geduld haben muss, bis sich das gewünschte Ergebnis zeigt.

Was ist Ihre Vision, Ihre Erwartung an die Zukunft?

Das Wichtigste ist natürlich, mit Xaxiraxi auf ökologisch und sozial nachhaltige Weise Gewinne zu erzielen, um wachsen zu können. Es gibt noch so viele Kleidungsstücke, die ich hautfreundlicher und fröhlicher gestalten möchte!

Außerdem ist es mein Anliegen, das Bewusstsein dafür zu erhöhen, was wir auf unserer Haut tragen. Mit meinem Beispiel möchte ich zeigen, dass es möglich ist, gesunde Kleidung herzustellen, die modern, farbenfroh und erschwinglich ist.

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Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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