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Gründerstory: Agile.Coach

Timor Fidding, Scrum Trainer (Foto: Izzy Dempsey)

In der heutigen Arbeitswelt ändern sich die Bedingungen immer schneller. Will man trotzdem seine Arbeit so strukturieren, dass die Veränderungen ohne zusätzlichen Stress einbezogen werden, hilft Scrum sehr.

Die Methode stammt ursprünglich aus der Entwicklung neuer innovativer Produkte wie Fotokameras oder Kopierer und wird heute vielfältig in der Entwicklung von Softwareprodukten angewandt. Zudem gibt es außerhalb der Produktentwicklung immer mehr Anwendungen, beispielsweise im Vertrieb, Marketing, in der Organisationsentwicklung oder dem Qualitätsmanagement.

Timon Fiddike, studierter Chemiker und Informatiker, hat sich als Agile Coach und Scrum Trainer selbständig gemacht, um in Trainings und Workshops Scrum zu vermitteln, das lebendige und produktive Arbeitsumfelder schafft. Lesen Sie hier seine Gründerstory.
(Gesponsert)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Agile.Coach zu gründen?

Ursprünglich war meine Gründungsidee eine ganz andere, nämlich ein technisches Spezialprodukt für Softwareentwickler herzustellen, die interaktive Web-Anwendungen in verschiedenen Browsern testen möchten.

Was war der entscheidende Moment, an dem Sie gesagt haben: Jetzt gründe ich?

Ich habe bis 2010 als ‚Naturwissenschaftlicher leitender Mitarbeiter‘ bei einem DAX Konzern gearbeitet, in einem Bereich in dem es sehr viele detaillierte Vorgaben und eine spezielle politische Situation gab. Ich konnte dort meine Stärken nicht wirklich einbringen. Umgekehrt hätte ich in diesem politischen Umfeld aber ständig Geduld und Zurückhaltung praktizieren müssen und war damit sehr unzufrieden, bis ich mich entschlossen habe zu kündigen. Vom Tag der Entscheidung an habe ich mich besser gefühlt.

Welche Herausforderungen mussten Sie meistern, um zu gründen?

Den ersten Schritt habe ich damals mit Hilfe des Gründungszuschuss der Arbeitsagentur gemacht, da war zunächst einmal ein Antrag zu stellen.

Welche Schwächen mussten und müssen Sie überwinden?

Ich war damals so motiviert bei der Sache, dass ich durchaus Nächte durchgearbeitet habe, obwohl es gut gewesen wäre, erstmal loszulassen, Pause zu machen oder zu schlafen.

Wer hat Sie unterstützt und was hat Sie motiviert?

Unterstützung brauche ich zu dieser Zeit vor allem dabei, auch noch andere Dinge zu tun also zu arbeiten. Meine Partnerin und meine Freunde waren in diesem Zusammenhang besonders wichtig für mich. Außerdem hat es mir gut getan häufig Tango Argentino zu tanzen.

Timon Fiddike, Agile Coach und Scrum Trainer (Foto: Izzy Dempsey)

Timon Fiddike, Agile Coach und Scrum Trainer (Foto: Izzy Dempsey

Hat Sie etwas behindert oder blockiert? Was war die größte Schwierigkeit?

Einige Monate nach dem Start erhielt ich eine Abmahnung mit 200.000 EUR Streitwert von einer großen Kanzlei, deren Mandantin einen ähnlich lautenden Markennamen hatte wie mein Produktname. Ich war mir dessen bewusst gewesen und hatte vorab auch die Trademark Policy der Mandantin studiert, die unter bestimmten Umständen solche Ähnlichkeiten erlaubt. Allerdings waren die Erlaubnis nur für Produktnamen und Firmennamen erteilt. Ich hatte nicht nur mein Produkt so genannt, sondern auch eine Domain und eine eigene Marke mit dem Produktnamen registriert.

Wie haben Sie die gemeistert?

Ich hatte eine Versicherung, die diesen Fall mit abgedeckt hat. Ein Anwalt der Versicherung hat die Forderungen wegdiskutiert, ohne dass mir dadurch unmittelbar ein finanzieller Schaden entstanden ist. Allerdings hat mich die ganze Sache Zeit und Nerven gekostet und mich in der Vermarktung meines Produkts ausgebremst. Die ursprünglichen Domains durfte ich noch nicht einmal als Umleitung weiter betreiben und es hat einige Monate gedauert, um im Web wieder sichtbar zu werden.

Was hat sich dann geändert und entscheidend verbessert?

Ich habe die ursprüngliche Produktidee an den Nagel gehängt und ersteinmal selbst als Entwickler gearbeitet. Das war der erste wichtige Schritt bezüglich meiner aktuellen Tätigkeit.

Was ist Ihr bisher wichtigster Erfolg?

Da gab es viele, und es ist gar nicht so einfach, für mich nur einen herauszugreifen. Im Rückblick war aber dieser besonders wichtig: Als Entwickler habe ich sehr gern ein bestimmtes technisches Framework verwendet und darüber in meinem Blog geschrieben. Eine große Berliner Firma brauchte dringend jemanden, der zum Start eines wichtigen Projekts mit diesem Framework dort ein Training durchführt und bei der Suche nach einem geeigneten Trainer ist jemandem mein Blog aufgefallen. Obwohl ich damals noch gar keine Trainings angeboten habe, wurde ich angefragt und schließlich beauftragt. Ich habe damals sehr offen kommuniziert, dass ich mich technisch gut auskenne und gerne das Training gebe, aber eine ganze Menge Zeit zum Vorbereiten des Trainings mit abrechnen muss, damit sich das Ganze für mich lohnt. Der Auftraggeber war bereit dazu und schließlich auch zufrieden mit dem Ergebnis. Das war ein wichtiger Aha-Effekt für mich, dass Trainings so wertvoll sein können, insbesondere auch welche, die ich selbst bereits in der Lage bin zu geben.

Timon Fiddike, Agile Coach und Scrum Trainer (Foto: Izzy Dempsey)

Timon Fiddike, Agile Coach und Scrum Trainer (Foto: Izzy Dempsey)

Was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

Ich habe daraus gelernt, dass es wichtig ist, sich auf den Weg zu machen, wenn es irgendwo nicht mehr für mich stimmt – selbst, wenn ich das Ziel noch nicht klar vor Augen habe. Das findet sich dann schon unterwegs. Die technischen Trainings waren auch nur ein Schritt auf meinem Weg, wenn auch ein wichtiger. Nachdem ich auf diese Weise mit Entwicklerteams aus mehr als 30 Firmen zusammen gearbeitet hatte, war ich mir ganz sicher, dass es noch etwas Grundlegenderes für mich zu tun gibt als die Technik zu verbessern:

Den meisten dieser Teams ist es nicht gelungen, regelmäßig wertvolle Software zu liefern. Entweder, weil es ihnen generell schwer fiel regelmäßig irgendetwas Funktionsfähiges bereit zu stellen oder deswegen, weil Dinge entwickelt wurden, die Ihren Kunden nicht bestmöglich weitergeholfen haben. Die Entwickler selbst und die meisten Menschen in ihrem Umfeld waren mit der Leistung des jeweiligen Teams nicht wirklich zufrieden und das hatte wenig mit den technischen Fähigkeiten der Entwickler zu tun, sondern vielmehr damit, wie mit Anforderungen umgegangen wurde.

In etwa 10 % der Teams lief es jedoch besser. In einem besonders deutlichen Fall arbeiteten wir nach Scrum: Da die Anforderungen der Stakeholder anfänglich für uns eher unklar waren, arbeiteten wir in Sprints von nur einer Woche Länge, holten uns konsequent immer wieder Feedback und überprüften und korrigierten immer wieder unsere Annahmen und Entscheidungen. Auf diese Weise konnten wir wöchentlich Software liefern, die für unsere Kunden tatsächlich wertvoll war. Wir lieferten innerhalb von fünf Monaten termingerecht zu einer wichtigen Messe der Branche das weltweit erste System für eine bestimmte aktuelle Schwierigkeit großer Konzerne. Ausgehend von den ersten Aufträgen, die auf dieser Messe gewonnen wurden, wird die Software bis heute weiterentwickelt.

Seitdem habe ich mich in meiner Arbeit komplett auf Menschen und Prozesse konzentriert und als Product Owner, Scrum Master, Agile Coach und Business Coach gearbeitet. Dabei leiste ich besonders gerne Hilfe zur Selbsthilfe, also z.B. durch Coaching statt Consulting.

Im Jahr 2015 ist es mir gelungen, die Domain agile.coach zu sichern, als die .coach Domains neu eingeführt wurden. Seitdem firmiere ich mit meinem langjährigen Freund und Kollegen Anton Skornyakov zusammen unter dem Namen Agile.Coach. Der Name passt für mich auch heute noch sehr gut, obwohl ich im Moment vor allem Scrum Schulungen gebe. Agile Coaching beinhaltet dem Selbstverständnis der Branche nach neben Coaching im engeren Sinne auch Mentoring, Consulting, Training und Facilitation. Ich teile dieses Selbstverständnis und finde es wichtig, Kunden in verschiedenen Phasen ihrer agilen Transaktionen auch auf die jeweils effektivste Art zu unterstützen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

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Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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