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Public Relations für Gründer

Magazine & Zeitungen

Wer ein Unternehmen gründet, hat den Kopf mit tausenderlei Aufgaben voll, die alle bearbeitet und erledigt werden wollen – am besten gleichzeitig. Welcher Gründer denkt da an professionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations)? Es ist verständlich, wenn das Thema auf später verschoben oder sporadisch mit bearbeitet wird, da andere Dinge wie Auftragsakquise und das Finanzamt deutlich mehr drängeln. Und es ist genauso falsch. Denn wer soll das Produkt kaufen und die Dienstleistung buchen, wenn sie niemand kennt oder nicht versteht?

Public Relations nur mit Plan

PR funktioniert nur mit Plan. Gründer müssen grundsätzlich festlegen, wie das Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden soll und was es über sich mitteilen möchte. Wie macht es sich unterscheidbar und damit für potentielle Kunden wiedererkennbar? Welche Werte vertritt es? Ohne diese Überlegungen scheitert die Entwicklung des Logos, das Erstellen einer Website oder von Visitenkarten, Flyern und ganz zu schweigen von Newslettern, einem eigenen Blog oder gar die Nutzung von Social-Media-Kanälen. Denn es entsteht kein einheitliches Bild – weder für die Gründer selbst, noch für die Öffentlichkeit. Tun Sie sich den Gefallen und arbeiten Sie von Anfang an mit einem Konzept. Prüfen Sie es mit einem Berater oder jemandem aus Ihrem Bekanntenkreis, dessen kritisches Urteil Sie schätzen. Denn die konzeptionelle Grundlage hilft Ihnen nicht nur bei Kundengesprächen und auf Netzwerkveranstaltungen, sondern auch in Finanzierungsrunden. Wenn Sie jetzt an den Elevator Pitch denken, liegen Sie gar nicht falsch. Denn der leitet sich ebenfalls daraus ab.

Ressourcen sinnvoll nutzen

Da Gründer so viele Aufgaben bei sehr begrenzten Ressourcen gleichzeitig zu erledigen haben, ist es umso wichtiger, diese begrenzten Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Mit einem realistischen und stimmigen Plan erreichen Sie mehr als mit Ad-hoc-Aktionen nach dem Gießkannenprinzip. Versprochen! Das bedeutet:

  • Überlegen Sie sich Maßnahmen, von denen Sie meinen, damit Ihr Ziel erreichen zu können.
  • Machen Sie sich einen Plan für mindestens 6 Monate.
  • Tragen Sie genau ein, was Sie wann machen möchten und wer für die Maßnahme verantwortlich ist.
  • Prüfen Sie dann in jedem Fall den Erfolg der Aktion in dem Sinne, ob sie Ihr anvisiertes Ziel unterstützt.
  • Passen Sie Ihren Maßnahmeplan an.

Ich weiß, das klingt reichlich theoretisch. Aber nehmen Sie das Beispiel von beliya, einem Charity Handtaschen-Label von zwei Gründerinnen aus Hamburg. Ich habe es dem Buch „Wir machen dieses Social Media“ entnommen. Die beiden Gründerinnen haben zuerst ihre anvisierten Kundinnen – Frauen 20+, die gern online einkaufen – befragt und festgestellt, dass die meisten von ihnen auf Facebook aktiv sind. Deshalb haben die Gründerinnen zuerst ihre Facebook-Seite gestartet und dort regelmäßig über ihre Aktivitäten berichtet. Später, als eine gute Fanbasis existierte, haben Sie mit dem eigenen Blog begonnen. Diese Maßnahme war außerordentlich sinnvoll. Denn mit dem eigenen Blog hat man die Besucher auf der eigenen Website und nicht in einem fremden Netzwerk. Facebook hat inzwischen die Sichtbarkeit von Posts auf Seiten für die Fans so reduziert, dass man als Seitenbetreiber nur noch mit Werbung eine gute Wahrnehmung erreichen kann.

Das Geheimnis erfolgreicher PR ist Geduld

In dem Wort Geduld steckt eine wichtige Anforderung an die Öffentlichkeitsarbeit: Kontinuität. Nur wenn Sie regelmäßig mit guten und interessanten Themen an die Öffentlichkeit treten, werden Sie für Aufmerksamkeit, Bekanntheit und Vertrauen sorgen und damit einen Grundstein für gute Geschäfte legen. Leider verwechseln viele – Gründer und Unternehmer – PR mit Werbung. Sie gehen potentiellen Kunden, Medienvertretern und digitalen Meinungsmachern mit zu viel Eigenlob auf die Nerven ohne zu informieren. Das mit professioneller PR wieder auszugleichen, ist mühsam und gelingt nur langfristig. Denn Vertrauen kann man nicht kaufen oder anordnen. Man muss es sich erarbeiten. Dafür bedarf es eines Plans sowie Geduld und das nötige Fingerspitzengefühl.

Welche Maßnahmen sind denkbar?

Der Strauß an möglichen PR-Maßnahmen ist bunt und die Auswahl hängt sehr stark von dem Unternehmen und seinen Zielen ab. Eine Auswahl finden Sie hier :

Für die Medien
– Pressemitteilung
– Pressekonferenz
– Presse-Event
– Online-Pressebereich
– Blog und Social Media

Für Multiplikatoren und Öffentlichkeit
– Newsletter
– Flyer
– Imagebroschüre
– Tag der offenen Tür
– Kundenmagazin
– Vorträge/Events
– Blog und Social Media
– Blogger-Relations
– Sponsoring

Pro-Tipp
Denken Sie auch an die eigenen Mitarbeiter. Die sind die wichtigsten Multiplikatoren!!

Vernetzung
– Eintritt in Branchennetzwerke
– Vorträge/Workshops
– politisches Engagement

Tipps für die Pressearbeit

Finden Sie heraus, welche Medien für Ihr Unternehmen relevant sind.

  • Sind es eher Fachmedien oder tagesaktuelle Medien?
  • Sind es regionale oder überregionale Medien?
  • Sind es Print- und Online-Medien oder Radio und TV?

Eine umfangreiche Datenbank finden Sie bei zimpel. Allerdings ist nur der Testzugang kostenlos. Sie können sich jedoch einmalig einen passenden Verteiler recherchieren lassen und bezahlen nur diesen.

Begutachten Sie dann die ausgewählten Medien:

  • In welchen Rubriken wird veröffentlicht?
  • Welche Themen werden in dem Medium wie aufbereitet?
  • Wer ist der oder die richtige Ansprechpartner/in?
  • Habe ich passende Themen aus meinem Unternehmen, die ich dort anbieten könnte?

Eine umfangreiche Liste der „111 deutschsprachigen Medien für erfolgreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ hat Mike Schnoor schon 2013 in seinem Blog veröffentlicht.

Nehmen Sie Kontakt auf:

  • Bieten Sie ein Thema aus Ihrem Unternehmen aufbereitet einem ausgewähltem Medium an.
  • Rufen Sie dazu den passenden Redakteur an.
  • Versuchen Sie Ihrem Gesprächspartner das Thema in wenigen Worten schmackhaft zu machen.
  • Versuchen Sie im Gespräch herauszubekommen, wo die Interessen des Redakteurs liegen.
  • Versuchen Sie, spontan darauf zu reagieren.
  • Akzeptieren Sie, wenn kein Interesse besteht und seien Sie nicht aufdringlich.

Die meisten Redakteure und Journalisten sind an guten Geschichten interessiert und werden nichts dagegen haben, in Zukunft weitere Themenangebote von Ihnen zu erhalten. Bieten Sie allerdings immer nur etwas an, wenn es neu oder informativ ist.

Vergessen Sie die digitalen Meinungsmacher nicht

In unserer digitalen Welt haben sich neben klassischen Medien die digitalen Meinungsmacher etabliert und sie werden immer wichtiger. Dabei handelt es sich vor allem Blogs, die sich einem speziellen Thema widmen. Gründerthemen bearbeiten beispielsweise die Blogs folgender Websites:
Förderland
Gründerszene
Deutsche Startups
Selbständig im Netz

Das für Ihr Unternehmen passende Blog zu finden ist wiederum sehr stark branchenabhängig. Hier können Sie recherchieren:
Bloggeramt
Deutsche Blogcharts
Blogverzeichnis: Bloggerei
und natürlich können Sie auch Suchmaschinen nutzen.

Aber Vorsicht: Blogger sind nicht per se Medienvertreter. Senden Sie Ihnen deshalb keine Pressemitteilung. Besser ist es, ihre Beiträge zu kommentieren und so ins Gespräch zu kommen.

Potential von Presseportalen

Presseportale bieten die Möglichkeit, die eigene Pressemitteilung zu veröffentlichen. Das hat verschiedene Vorteile:

  • Man veröffentlicht selbst den gewünschten Inhalt.
  • Die Portale helfen beim Schreiben und prüfen die Texte.
  • Die Meldung erscheint unter ausgewählten Kategorien.
  • Man erreicht damit nicht nur Journalisten, sondern auch interessierte Nutzer.
  • Die Meldung erhält Keywords und Links auf die eigene Website.
  • Man kann multimediale Inhalte einbauen.
  • Die Meldungen sind kommentier- und weiterempfehlbar (Social Media).
  • Sie sind langfristig im Netz auffindbar.

Da die Meldungen von den Presseportalen weiter veröffentlicht werden, sind viele Unternehmen zurückhaltend aus Angst vor duplicate Content. Die PR-Beraterin Sabine Faltmann hat in einem Blogbeitrag sehr schön beschrieben, warum diese Angst unbegründet ist.

Bei der Umfrage von newsaktuell von 2014 gaben 64 % der befragten Journalisten an, Presseportale als Quelle zu nutzen.

Es gibt kostenpflichtige und kostenfreie Angebote. Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass es zum eigenen Thema und zur eigenen Marke passt.

Eine Übersicht zu verschiedenen Presseportalen gibt es hier.

Dann wünsche ich erfolgreiches und öffentlichkeitswirksames Arbeiten.

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Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

2 Kommentare

  1. Guter Beitrag, Nadja Bungard.

    Ergänzen und anmerken möchte ich, dass der Aufbau einer soliden Organisationsstruktur, eine marktgerechte Kalkulation und die Bestimmung der Top-Schwerpunkte des startups – sich zumeist erst in der Praxis herausbildend – massgebliche Vorlagen bieten. Ein gezielter und individuell ausgerichteter Marketingplan und dessen konsequente Umsetzung sind natürlich sehr wichtig. Dem voraus sollten und müssen also Leistung- und Produktsegmente im Hinblick auf Nachfrage und Rentabilität klar nach Tops bestimmt werden.

    Es muss das Ziel sein, mit den Massnahmen zum Marketing – also auch PR – die Rentabilität und somit die unternehmerische Tragfähigkeit nachhaltig im Fokus zu haben. Anderenfalls setzt man aufs vielleicht falsche Pferd oder erntet und wirtschaftet auf unrentablem Niveau.

    Gruss an Euch, Frank Marrggraf

    • Lieber Herr Marggraf,

      ich freue mich, dass Ihnen der Beitrag gefällt und über Ihre Anmerkung. Sie haben recht, dass Rentabilität wichtig ist. Allerdings geht es in dem Text um PR, also Imagebildung, die nicht unbedingt in Zahlen messbar ist.

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