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Seniorpreneure: Gründung 45+

Seniorpreneurin Saigon; (c) Foto: Nadja Bungard

Männlich, gut ausgebildet, maximal 30 Jahre – unser Bild vom typischen Unternehmensgründer stimmt nur zum Teil. Denn die Zahlen in Deutschland sprechen eine andere Sprache.

Ein Drittel aller Gründer waren 2014 laut einer KfW-Studie 45 Jahre und älter. Bei den bereits gegründeten Unternehmen liegt das Durchschnittsalter der Unternehmer sogar bei 51 Jahren. Ein gutes Stück der Startup-Szene in Deutschland wird also von sogenannten Senior Entrepreneuren geprägt.

Gründen zur Selbstverwirklichung

Unter ihnen sind einerseits Gründer, die einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt suchen und sich damit vor allem finanziell und sozial absichern wollen. Ein anderer Teil der älteren Gründer sucht jedoch nach Selbstverwirklichung und will Erfahrung sowie Wissen weitergeben.

Jetzt oder nie!

Sie sind in der Regel gut ausgebildet, haben langjährige Berufserfahrung und eine finanzielle Reserve für den Start wie beispielsweise Thomas Laux. Der 53-Jährige hat 2014 seinen Hausbootverleih auf der Lahn gegründet, wie das RKW-Kompetenzzentrum auf der Seite Gründer-Ökosystem berichtet.

Er verzichtete auf seinen festen Job bei der Bank, weil er von seiner Geschäftsidee überzeugt war. „Jetzt oder nie!“, hat er sich gedacht und ist das Risiko der Selbständigkeit dafür bewusst eingegangen. Schließlich will er seine eigenen Entscheidungen treffen und dafür die Verantwortung tragen. Er fängt klein an, wächst langsam und ist damit erfolgreich. Ein Rezept, das wir auch jungen Gründern unbedingt ans Herz legen.

Immer mehr arbeitende Senioren

Der Senior Entrepreneur beziehungsweise die Senior Entrepreneuse werden uns in Zukunft häufiger begegnen. Das entspricht dem allgemeinen Wandel des Altersdurchschnitts in unserer Gesellschaft und dem Trend zur Zunahme der Erwerbstätigen der über 60-Jährigen. Für viele Senioren geht es nicht nur um das zusätzliche Einkommen zur Rente. Nachweislich sorgt die Erwerbstätigkeit in der Altersphase für soziale Kontakte sowie körperliche und geistige Aktivität, was wiederum zu mehr Zufriedenheit in dieser Lebensphase führt.

Beispiel Kuchentratsch

Ein Beispiel dafür ist „Kuchentratsch“. Die Gründerinnen sind zwar zwei junge Münchnerinnen, im Mittelpunkt jedoch stehen die Seniorinnen. Sie bringen ihre persönlichen Rezeptideen ein und backen ihre Kuchen in der gemeinsamen Backstube. Die Kuchen sind begehrt und können im Online-Shop bestellt werden. Neben dem Tratsch und der öffentlichen Anerkennung für ihre Backkünste erhalten die Seniorinnen und der bisher einzige Senior auf Wunsch auch eine Aufwandsentschädigung auf Minijob-Basis.

Das Potenzial der Senioren nutzen

Immer mehr Menschen im sogenannten Rentenalter sind heute fit und gesund. Für sie ist der „wohlverdiente Ruhestand“ eher ein gesellschaftliches Abstellgleis ohne Perspektive als ein Geschenk später Freiheit. Können wir es uns leisten, auf ihr Potenzial zu verzichten? In Zeiten des Fachkräftemangels sollten Erfahrungen und Kenntnisse älterer Menschen nicht ungenutzt bleiben. Sie sollten vielmehr die Chance haben, die Altersphase nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – gern auch als Senior Entrepreneure.

Bildungschancen 50+

Mit der Bologna-Reform stiegen außerdem die Bildungschancen für Ältere. Heute ist es möglich, mit 50 und mehr Jahren seinen ersten akademischen Abschluss zu erzielen wie zum Beispiel Marika Rothenberger, die an der FOM Hochschule studiert hat. Die Möglichkeiten zur Weiterbildung haben sich durch das Internet vervielfältigt. Viele Angebote sind sogar kostenfrei, wie das von iversity.

Gezielte Beratung für Senioren

Mehr Senioren sollten ermutigt werden, über eine selbständige Tätigkeit im Alter nachzudenken und sich dazu gezielt beraten zu lassen. Das empfiehlt auch der Expertenkreis „Senior Entrepreneurship“ des RKW-Kompetenzzentrums, der dazu eine Broschüre mit Empfehlungen für die Beratungspraxis 45plus herausgegeben hat. Die rechtzeitige Motivation spielt dabei eine wichtige Rolle. Interessierte sollten früh und problemlos auf weiterführende Informationen zugreifen können. Wichtig sei dafür, die 45 bis 60 Jährigen individuell anzusprechen und für sie spezifische Beratungsformate zu entwickeln, so die Empfehlung der Experten.

Es ist nie zu spät

Man und vor allem frau ist nie zu alt, um seine Ideen verwirklichen. Einzige Voraussetzung: neugierig bleiben. Hilfreich ist, wenn man sich Unterstützung organisieren kann wie beispielsweise Ella Balkow. Die 102-jährige hat 2014 mit Hilfe ihrer Enkelin eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um für ihren „Kalender der Hundertjährigen“ erfolgreiche Geld bei startnext einzusammeln. Das hat gut funktioniert und die alte Dame hatte viel Freude an den Besuchern, die sie zu ihrem Projekt befragt haben. Aktuell sucht sie über 90-Jährige, um den nächsten Kalender zu produzieren.

 
 
 

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Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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