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Skalierung – Wie Unternehmen Wachsen

Wenn Auftragsgrößen steigen, das Personal im Dauerstress ist und man sogar Aufträge ablehnen muss, ist es Zeit sich zu entscheiden: Entweder man schraubt zurück oder man wächst. Wenn sich Unternehmer für das Wachsen entscheiden, ist Dr. Heico Koch, einer der Geschäftsführer der leanovate GmbH, der richtige Ansprechpartner. Das Unternehmen nutzt konsequent die Lean-Methodiken, um die Skalierung zu bearbeiten. Wir haben ihn befragt, wie das funktioniert:

Was sind Lean-Methodiken, besonders die Lean-Canvas-Methode, und wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Konzepten?

Lean-Methodiken allgemein sind sehr pragmatische Vorgehensweisen. Sie akzeptieren, dass man bei Startups und auch bei neu entwickelten Produkten nicht weiss, wie das genaue Endprodukt aussieht und auf welche exakte Kundengruppe es trifft. Aus dieser Annahme leitet sich das Ziel ab, sehr schnell lernen und besser werden zu wollen. So entstehen kurze Zyklen, die immer wieder durch Experimente geprägt sind, um Verbesserungshypothesen zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Lean-Canvas Methode im Speziellen stellt eine Themenstruktur auf einer A4 Seite dar, an der man ein Businessmodell oder ein Produkt spiegeln kann. Damit ist man direkt in der Lage über Schwachstellen und Stärken zu diskutieren. Ich würde es vielleicht „den Business Plan 2.0“ nennen. Denn wer braucht in einem ungewissen Startup-Umfeld heute noch einen 5-Jahresplan?

Kommen Unternehmen aller Branchen zu Euch? Was sind typische Probleme?

Interessanterweise ja, denn wir drei Gründer sind eigentlich so etwas wie e-Business-Dinosaurier und haben alle mehr als 15 Jahre im Internet-Bereich auf dem Buckel. Das heisst, jeder von uns hat auf seine Weise Erfahrungen in der ersten platzenden Blase 2000/2001 gesammelt. Hier hatten wir ja viele Traumexemplare von groß skalierten Unternehmen, die an vielen Stellen ohne fundamentalen Grund geschaffen wurden. Dennoch kommen Unternehmen vieler Branchen auf uns zu. Wir streben mit unseren Kunden eine enge und tiefgehende Zusammenarbeit an. Das beinhaltet schon eine fachliche Nähe und ebenfalls die Bevorzugung des Standortes Berlin, so dass wir jederzeit verfügbar sind. Typische Probleme, hmmm …, nicht ganz einfach. Eines ist häufig eine Vorstellung einer Organisation oder eines Produktes zu haben und sie dann in einem grossen Schwung umzusetzen. Das führt oft zu einem Ergebnis, das am Markt vorbei geht, denn eine Erfolgsbilanz ist erst ganz am Ende möglich. Ich empfehle iteratives – also schrittweises – Vorgehen. Nach jedem Schritt wird bewertet, was erreicht wurde und in welche Richtung man weiter gehen sollte.
Das ist ein typisches Problem, weil die Urheber der Ideen natürlich sehr überzeugt sind. Das müssen sie auch sein. Lean-Methoden verlangen, sich auch neben sich stellen zu können und die eigenen „Idealwelten“ auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Das klingt einfach und ist oft schwer zu leben.

Beratet Ihr auch Existenzgründer?

Viele unserer Kunden sind eBusiness-Unternehmen, die bereits gewisse Schritte in Richtung Produktentwicklung und Produkt-Markt-Match gegangen sind. Oder Kunden, die sogar bereits etablierter sind und eine gewisse Innovationssackgasse erreicht haben. Beides hat unterschiedliche Aspekte vom Thema Skalieren. Die einen müssen schnell Produkte skalieren und erfolgreicher machen, sowie die passende Organisation schaffen. Die anderen müssen wieder innovativer werden und Organisation und Prozesse wandeln, um marktfähig zu bleiben.
Im Bezug auf Existenzgründer engagieren wir uns auf verschiedene Art und Weise, beispielsweise als Juroren und Referenten im Business Plan Wettbewerb der IBB, als Mentoren im Startup Bootcamp, als Referenten der General Assembly und natürlich als leanovate GmbH, wo wir uns gelegentlich an Startups beteiligen. Das neueste Venture ist derzeit www.trademachines.de bzw. www.trademachines.com.

Was bedeutet „Lean“ im Zusammenhang mit Wachstum?

Wachstum hat viele Facetten, auch wenn es oft mit der Mitarbeiterzahl eines Unternehmens gleichgesetzt wird. Ich sehe hier genauso Dimensionen, wie Finanzierung, Kundenanzahl, Anzahl der Aufträge, Produktentwicklungsbedarf etc. Ein wesentlicher Aspekt der heute im Startup-Bereich ausgeprägten „Lean“ Varianten ist die Lean-Startup Methode, die Eric Ries in seinem gleichnamigen Buch sehr schön aus vielen Erfahrungen zusammengestellt hat. Hier ist die Sichtweise, dass das ganze Unternehmen das Produkt ist, inklusive Service, Mitarbeiter, Kooperationen und was man sich als Faktoren für das Gesamtkonzept noch so vorstellen kann. Das „Lernenwollen“ und das „Geschäftsmodell als Gesamtkonzept“ in einem lean-typischen, also eindeutig priorisierten Vorgehen angewendet, beinhaltet dann auch das Wachstum. Es wird immer auf die grössten Potenziale oder Schmerzen geschaut. Dadurch werden die jeweils relevanten Wachstums-Themen „hochgespült“, wenn sie dran sind.

Das hört sich sehr praxisbezogen an. Ihr setzt also immer da an, wo es „brennt“?

Ja, wir entwickeln unser eigenes Unternehmen so weiter und geben die Methodik auch regelmässig an Kunden weiter. Es ist theoretisch leicht, in kleinen Schritte Umsetzungen durchzuführen und regelmässig zu bewerten. In der Praxis ist die Hürde häufig die fehlende Vorstellungskraft, wie man grössere Projekte schrittweise umsetzt oder Organisationen ändert. Ein weiterer Punkt, der in der Praxis nicht ganz leicht ist, ist dass jeder, der ein Konzept oder ein Projekt erdenkt, davon überzeugt ist. Lean vorzugehen bedeutet, immer wieder zu hinterfragen, ob man erfolgreich und zielführend unterwegs ist. Da steckt ein gewisser Konflikt zwischen überzeugt sein und sich zu hinterfragen drin, den wir in der Praxis regelmässig antreffen.

Wie lange dauert in der Regel ein Skalierungsprozess?

Wenn ich die Frage in die „lean-Terminologie“ übersetzen darf, hiesse sie: „Wie lange dauert in der Regel der Lernprozess?“. Hier ist die Antwort dann viel einfacher und sie lautet „unendlich“. Unternehmen haben heute aus meiner Sicht einen Bedarf an stetigem Anpassen. Es geht darum, immer wieder Innovationen zu liefern. Die Zeiten, wo man durch Prozesse die Effizienz gesteigert hat und damit wachsen konnte, sind aus meiner Sicht vorbei. Es zeigt sich, dass dieses Vorgehen zu Verhinderung von Innovation führt. Im Herzen ein Startup mit viel Innovationsbereitschaft, Anpassungswille und auch Wille zur Skalierung zu bleiben, ist für mich der Erfolgsfaktor für die Zukunft. Und Skalierung findet immer irgendwo im Unternehmen statt.

Innovation ist ein viel gebeutelter Begriff. Stimmst Du mir zu, wenn ich sage, Innovation meint, für ganz neuartige Probleme neue Lösungen zu entwickeln?

Ja ich stimme Dir darin zu. Gleichzeitig wird Innovation im Lean Kontext zu grossen Teilen zu einem „Handwerk“, was erlernbar ist. Natürlich müssen kreative Ansätze gefunden werden. Im nächsten Schritt geht es um Feedback und die Verarbeitung von Erkenntnissen. Hier geht es dann mehr um messen, interpretieren und weiter experimentieren.

Und wie behält man die Aufgaben im Blick? Auch mit den Lean-Methoden?

Die Aufgaben im Blick zu haben, wird mit Lean-Methoden erleichtert, weil sehr stark priorisiert gearbeitet wird. Es gibt also irgendwo einen „Aufgaben-Speicher“ und da man sich jeweils nur um die wichtigsten Aufgaben kümmert, ist das „im-Blick-halten“ zweitrangig. Es wird einfach darauf geachtet, dass alle Ideen und Aufgaben in diesem Speicher landen und sinnvoll einpriorisiert werden. Danach kann man sich darauf verlassen und im täglichen Tun auf die wichtigsten Dinge konzentrieren.

Unterstützt Ihr nur Unternehmen mit mehreren Angestellten oder auch Einzelselbständige?

Wir unterstützen Unternehmen, die ein Produkt entwickeln beziehungsweise besser entwickeln wollen. Wir lieben Situationen, in denen es Engpässe gibt, eine Wahrnehmung für Verbesserungsbedarf gibt und wir lieben gescheiterte Projekte. Hier finden wir immer Auswege und machen den Menschen das Leben leichter. Dabei ist es unerheblich, wie gross die Unternehmen sind. Wir haben 1-Personen-Unternehmen im Portfolio sowie auch Großkonzerne. Uns machen die Methoden und unsere mittlerweile 23 Mitarbeiter einzigartig.

Warum schafft Ihr, was die Betreiber der gescheiterten Unternehmen nicht schaffen? Die sind doch viel näher dran als Ihr?

Allem voran ist wichtig zu sagen, dass wir ganz alleine nichts schaffen. Wir sind die Methodik-Experten und die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, kennen ihre Kunden, ihren Markt und das Businessmodell. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht dann der Erfolg und die Innovation. Am Anfang steht dabei die Verabredung eines gemeinsamen Weges, was bedeutet, dass unsere Kunden agile Wege gehen wollen. Meist gibt es als Grundlage irgendwelche Schmerzen in ihrer Produktentwicklung, so dass der Bereitschaft für Veränderung vorhanden ist. Im nächsten Schritt sind wir dann da, um die Wege erst gemeinsam zu gehen und den Weg bereiten, dass es auch ohne uns stetig besser wird.

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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