Permalink

0

Social Entrepreneurship: startbox in Vietnam

Im Mai 2015 reiste Nadja Bungard zum nächsten Treffen des Gemeinschaftsprojekt YELL (Youth Entrepreneurship and Leadership Laboratory #YELL2015) nach Vietnam. Andrea Rochlitz berichtete über das Treffen im März auf den Philippinen.

Die Teilnehmer aus Spanien, Polen, Deutschland, Vietnam und den Philippinen trafen sich in Cao Lanh, in der Dong Thap Region südlich von Ho-Chi-Minh-City im Mekong Delta, um sich intensiv mit Social Entrepreneurship und dem eigenen Business Model auseinanderzusetzen.

Floating Market MyTho
 

An der Universität der Region wird zum Thema Social Entrepreneurship geforscht. Die vietnamesischen Teilnehmer waren zum Teil bereits erfolgreiche Gründer.

LoanZum Beispiel Loan mit ihrem Label l’eco, die in ihrem Unternehmen Taschen aus recyclebarem Material produziert, um die Mengen an Plastiktüten zu reduzieren. Wir stellen sie in einem Interview näher vor.

Vu TeabagVu, der noch in HCMC studiert hat seine Geschäftsidee in den Workshops entwickelt. Vu will Postkarten mit mehr sinnlichen Eindrücken des Landes ausstatten. Dafür plant er Postkarten, gestaltet von lokalen Künstlern, mit einer besonderen Teemischung zu kombinieren.

Die europäischen Teilnehmer brauchten erst einmal etwas Zeit zum Eingewöhnen. Immerhin sind es täglich um die 35° C und der Schweiß steht einem nicht nur auf der Stirn. Nachts ist keine Abkühlung zu erwarten, sondern eher Moskitos. Hinzu kommt das ungewöhnliche, aber bekömmliche Essen: heiße Nudelsuppe zum Frühstück sowie der wunderbare vietnamesische Kaffee mit seinem besonderen Aroma. Leider ist es mir bis zum letzten Tag nicht gelungen, ihn so zu bestellen, wie ich ihn haben wollte: heiß und mit Kondensmilch.

Bevor es richtig losging, haben wir Workshops zum Kennenlernen gemacht. Die vietnamesischen Namen sind für Mitteleuropäer und Philippinos schwer zu behalten und umgekehrt. Dann startete das Programm, das die gastgebende Organisation SJ Vietnam, vor allem Phuc und Huong, sehr akkurat organisiert haben.

Social Enterprise?!

Ania Chełmińska von der „Fondacia Qdowa“ aus Polen führt uns in ihrem Workshop in das Thema Social Enterprise ein. Sie hat 14 Jahre Entwicklungsprojekte in Afrika, im Kaukasus und in Weißrussland begleitet. Wir lernen, dass Social Enterprises keine Non-Profit-Organisationen oder Kooperativen sind, sondern ein Business mit starken sozialen Bezügen. Ziel von Social Enterprises ist es vor allem, soziale Bedingungen zu verbessern, weniger den Profit zu steigern. Es geht darum, die Arbeit in demokratischen Strukturen zu organisieren.

Workshop Anja (c) Foto: Pedro J. Poveda
 

Motivation durch Training

FounderAusgestattet mit diesen Anregungen, gingen die Teilnehmer daran, die sozialen Aspekte des eigenen Geschäftsmodells zu erkunden. Motivierend beistehen sollte uns dabei Mr. Duy von betraining, der die meisten vietnamesischen Gründer bereits berät und von ihnen sehr geschätzt wird. Allerdings wirkte sein Auftritt auf die anderen Teilnehmer eher gewöhnungsbedürftig – nicht, weil er nur vietnamesisch sprach, das simultan übersetzt wurde, sondern weil sein Training eher an Drill als an Motivation erinnerte. Dennoch arbeitete er sehr deutlich einige wichtige Punkte für Gründer hervor:

– Die Bedeutung aktiv und motiviert zu bleiben,
– ein gutes Team aufzubauen
– und den Start mit möglichst geringen Kosten zu versuchen.

Im Gespräch mit dem Team von betraining erwies sich jedoch, dass es kaum Verständnis dafür gibt, dass nicht der Gewinn im Mittelpunkt eines Geschäftsmodells steht. Mein Beispiel von den beiden deutschen Drogerieketten Schlecker und dm, die zeigen, dass die Sorge um das Gemeinwohl kein Hindernis für ein erfolgreiches Business ist, wurden nicht diskutiert.

Essen auf vietnamesisch

vietnamese coffeeNach den Workshops waren wir unterwegs und haben das leckere vietnamesische Essen an eher provisorisch wirkenden Straßenbars und in Restaurants probiert: Immer frisch, immer lecker, immer bekömmlich.

Für Mitteleuropäer ist es gewöhnungsbedürftig auf Kinderplastikstühlen an Minitischen zu sitzen. Aber echte Überwindung kostet es, eine lokale Spezialität zu probieren: gegrillte Maus. Die Mäuse werden nur für den Verzehr gezüchtet und ihr Fleisch soll zarter sein als Hühnerfleisch…

Stiftung „For Future“ in Cao Lanh

Vor Ort besuchten wir ein Sozialunternehmen, das von dem privaten Thai Hoa Hospital in Cao Lanh unterstützt wird. Die Stiftung „For Future“ unterstützt vier verschiedene soziale Projekte für ältere Bürger, für Studierende, für die Jugend und bietet Trainingsangebote für vietnamesische Pflegekräfte, die in Deutschland ausgebildet und dort arbeiten werden. Auf beiden Seiten gibt es großen Bedarf: In Vietnam besteht der Wunsch Arbeitskräfte zu vermitteln und in Deutschland der Fachkräfte zu gewinnen.

Business Model Canvas

Drei Tage haben wir mit dem Business Model Canvas gearbeitet. Long, Berater vom Spark Center for Social Entrepreneurship Development in Hanoi, hat das Business Model Canvas eingeführt, so dass es alle Teilnehmer auf ihr Projekt anwenden konnten. Long hat nicht nur langjährige Erfahrungen im Bereich Social Entrepreneurship sondern sprach neben englisch auch sehr gut deutsch, da er in Deutschland studiert hat. Abschließend wurden die Projekte präsentiert.

Beispielsweise hat Rebecca aus Deutschland ihre Idee vorgestellt, ein Unternehmen für die Herstellung historischer Kostüme zu gründen. Die Arbeit am Projekt hat ihr geholfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Output

startbox Presentation
Wir haben Kontakte geknüpft, Ideen ausgetauscht und festgestellt, dass die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Business überall gleich sind: Die Geschäftsidee muss mit einem guten Geschäftsmodell mit dem kleinstmöglichen Aufwand marktfähig gemacht werden und dann heißt es dranbleiben! Das wollen alle Teilnehmer des Projektes und vor allem in Kontakt bleiben.(c) Foto: Pedro J. Poveda

Schwimmende Märkte

Zum Mekong Delta gehören nicht nur Kraniche und Lotusblumen, sondern auch die berühmten schwimmenden Märkte. Auf unserem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-City fuhren wir sehr früh los, um das geschäftige Treiben in aller Frühe zu erleben. In My Tho gingen wir an Bord einer Barke und kreuzten um ein paar beladene Boote, die ihre Waren an langen Stangen wie Fahnen aufhängen, um sie sichtbar zu machen. Als wir um 8 Uhr dort entlangfuhren, war das Hauptgeschäft schon vorbei und sowieso wird inzwischen mehr mit LKWs geliefert als traditionell per Boot verkauft.

Was heißt kommunistisch?

Das kommunistische Vietnam erwies sich zu unserer Überraschung als weniger sozial als vermutet. Jede Art von Schulbildung kostet Geld, was dazu führt, dass Kinder aus armen Familien wenig Bildung erhalten. Das Gesundheitssystem ist nicht gut entwickelt. Ohne Schmiergelder läuft nichts. Straßen und Brücken sind oft marode und die Stromversorgung wirkt abenteuerlich. Gründer dürfen nicht auf Unterstützung vom Staat hoffen. Trotzdem bezahlen Vietnamesen eine relativ hohe Einkommenssteuer von 25 % bei einem durchschnittlichen Einkommen von 150 € im Monat.

Internet ist kein Neuland

Aber alles funktioniert und es gibt keinen sichtbaren Mangel. Die Menschen auf der Strasse sind freundlich und sehr geschäftstüchtig. Jeder Händler versucht den Vorübergehenden seine Waren anzupreisen, wenn er nicht gerade ein Nickerchen in der Hängematte… Man sieht Armut, aber kein Elend auf den Strassen. Das Internet ist in Vietnam nicht Neuland und Smartphones gehören zum guten Ton.

Der Verkehr als Sinnbild für die Gesellschaft

Fish BusinessWenn es ein Sinnbild für die vietnamesische Gesellschaft gibt, dann ist es der Verkehr. Hier versucht jeder sich irgendwie seinen Weg zu bahnen.

Was den Deutschen ihr Auto, ist den Vietnamesen das Moped.

Damit wird alles und jeder transportiert: von der Oma über den Säugling bis hin zu Leitern und dem Monatseinkauf. Das ist abenteuerlich, aber es funktioniert. Es gibt zwar Regeln und auch Ampeln. Es hält sich jedoch kaum jemand daran. Schließlich hat jedes Fahrzeug eine Hupe, mit der man sich bemerkbar machen kann, so dass die anderen noch Zeit zum Ausweichen haben.

Auf europäische Fußgänger wirkt der erste Anlauf eine Straße in Vietnam zu überqueren wie ein Selbstmordversuch. Aber auch hier gilt: langsam aber stetig. Work hard, play hard. Das scheint ein Lebensmotto in Vietnam zu sein.

Unvermeidlich: Karaoke

Ein Abend ohne Karaoke ist ein verlorener Abend in Vietnam, so jedenfalls war mein Eindruck. Neben vielen Karaoke-Bars gehört die entsprechende Anlage in jeden guten vietnamesischen Haushalt. An einem der letzten Abende hat es auch mich erwischt. Das gemeinsame Singen verbindet. Es ist eine sehr soziale und unterhaltsame Freizeitbeschäftigung. Wenn die Partner im Oktober 2015 zum Abschlusstreffen nach Berlin kommen, brauchen wir unbedingt ein Karaoke-Programm…

Group Vietnam
 


Haben Sie Fragen zum Beratungsangebot?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


16 + 3 =

Ich will 1 x Monat Content-News erhalten


Hinweise zu der von der Einwilligung mitumfassten Erfolgsmessung, ihrem Widerrufsrecht, dem Einsatz des Versanddienstleisters Mailchimp und Protokollierung der Anmeldung erhalten Sie in meiner Datenschutzerklärung.