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Von der Idee zum Geschäftsmodell: audibene

Dr. Marco Vietor, (c) audibene

Das Berliner Startup audibene hat mit einem zukunftsweisenden Geschäftsmodell den Markt für Hörgeräte nicht nur in Deutschland neu aufgerollt. Sie setzten dabei konsequent auf den Online-Bereich. audibene ist inzwischen das größte Internetportal zur unabhängigen Hörberatung und dem Kauf moderner, digitaler Hörgeräte in Europa. Wir haben uns mit einem der Gründer Dr. Marco Vietor darüber unterhalten, wie er mit seinem Geschäftspartner aus der Geschäftsidee das sehr erfolgreiche Geschäftsmodell entwickelt hat.

Herr Dr. Vietor, wie sind Sie auf die Idee gekommen, audibene zu gründen?

 
audibene-Mitgründer Paul Crusius und ich haben uns durch unser Studium an der WHU kennengelernt. Und uns auch danach regelmäßig getroffen. Bei unseren gemeinsamen Gesprächen wurde uns schnell klar: Mit den so genannten „Silver Surfern“ – das heißt: aktiven, online-affinen Menschen über 50 Jahren – wächst hier gerade eine neue Generation an Internet-Usern heran, für die es bis dato nur wenig zielgruppengerechte Angebote gab.
 
Dazu wussten wir auch unserem persönlichen Umfeld, dass das Thema Hörverlust für diese Zielgruppe extrem relevant ist: Key Words rund um das Thema „Schwerhörigkeit“ werden bei Google mehr als 200.000 Mal im Monat gesucht. Jeder Dritte über 50 Jahren leidet unter Hörverlust. Und ganz klar: Als Betroffener informiert man sich heute in der Regel zuerst – diskret und anonym – im Netz, bevor man weitere Schritte unternimmt: beispielsweise einen HNO-Arzt oder ein lokales Akustiker-Fachgeschäft aufsucht.
 

Wann haben Sie gegründet?

 
Im Mai 2012 starteten wir in Berlin mit den ersten drei Mitarbeitern. Wir hatten Kompetenz, Leidenschaft, Serviceorientierung – und mit dem audibene Case Management-Ansatz ein Versorgungskonzept, von dem wir überzeugt waren, dass es Vorteile für alle Beteiligten bringt.
Dazu stellten wir bereits sehr früh sehr erfahrene Hörgeräteakustiker ein, um unsere Kunden professionell beraten zu können. Mittlerweile ist unser Beratungsteam auf knapp 100 akustisch ausgebildete Mitarbeiter angewachsen.
 

Welche Schritte waren nötig, um die Idee reif für den Markt zu machen?

 
Zunächst wollten wir wissen: Wie groß ist überhaupt der Markt, von dem wir sprechen? Schnell haben wir erkannt: Das ist ein Zukunftsmarkt. Allein in Deutschland leiden etwa 14,5 Millionen Menschen ab 14 Jahren unter Hörverlust. Aber lediglich 3 Millionen tragen ein Hörgerät. Zudem wachsen die Zahlen der über 50-Jährigen, die im Internet aktiv sind, konstant.
 
Deshalb haben wir von Anfang an stark auf Online-Marketing über alle Kanäle gesetzt. Und der Erfolg hat uns schnell Recht gegeben: Mittlerweile verzeichnen wir mehr als 15.000 Besucher auf unserer Webseite. Täglich. Das sind Größenordnungen, über die sogar große, seit Jahrzehnten etablierte Konzerne, oftmals staunen.
 

Was hat anders funktioniert als geplant?

 
Wir sind viel schneller gewachsen, als wir anfangs gedacht hatten: Unser erstes Büro war noch das WG-Wohnzimmer. Mittlerweile sind wir schon zwei Mal umgezogen, weil die Räumlichkeiten nicht mehr mit unserem Wachstum vereinbar waren. Wir haben heute mehr als 200 Mitarbeiter aus 15 verschiedenen Ländern.
 
Inzwischen sind wir auch in der Schweiz Marktführer und sehr erfolgreich in den Niederlanden. Und natürlich haben wir gerade vor dem Hintergrund „digitaler Wandel“ noch viele Ideen, um als Unternehmen nicht nur größer – sondern auch besser werden – und neue Service- Modelle zu lancieren.
 

Welche Änderungen am Geschäftsmodell waren nötig?

 
Das Geschäftsmodell ist noch dasselbe wie am ersten Tag. In der Umsetzung allerdings sind wir wesentlich besser geworden – und wir lernen jeden Tag dazu. Mittlerweile bewegen wir uns in einer Größenordnung, in der sich beispielsweise der einfache Austausch eines kleinen Bildes auf der Homepage repräsentativ messen und nachverfolgen lässt. Von diesen so genannten „A-B-Testings“ laufen jeden Tag Dutzende. Ich würde sagen, es gibt im Markt nur sehr wenige Player, die die Zielgruppe der Silver Surfer so gut verstehen wie wir.
 

Was hat Ihnen im Gründungsprozess besonders geholfen?

 
Wir hatten das Glück, sehr früh mit unserem heutigen dritten Geschäftsführer Marco Wiesmann jemanden zu gewinnen, der über exzellente Kenntnisse und eine große Leidenschaft für das Thema Online-Marketing verfügt. Mit großem Erfolg: Heute gehören wir zu den deutschen Top 10, was das Online-Marketing betrifft. Damit spielen wir in einer Liga mit den „Großen“ wie Zalando und Co.
 

Wo hätten Sie sich mehr Hilfe gewünscht?

 
Mein Mit-Gründer Paul und ich hatten den Markt und sein Potenzial sehr gründlich recherchiert. Insofern gab es fast keinen Moment, in dem wir gedacht hätten: „Was für eine Überraschung!“ Wir waren sehr gründlich vorbereitet – und haben audibene dann ebenso konsequent wie leidenschaftlich zum Leben erweckt.
 

Wie lange hat es gedauert, bis sich das Unternehmen trug?

 
In unserem Heimatmarkt Deutschland schreiben wir bereits seit Längerem schwarze Zahlen. Dasselbe gilt für Märkte wie die Schweiz oder die Niederlande. Wichtiger als der kurzfristige Profit ist uns allerdings ein anderer Punkt: Wir nutzen unsere Erfahrungen, unsere Kompetenz und unseren Schwung, um konstant in andere Märkte zu expandieren. Unser Ziel ist es, der weltweit größte Hörgeräte-Versorger zu werden. Und hier sind wir bislang auf einem sehr guten Weg.
 

Was würden Sie heute anders machen?

 
Im Rückblick ist es natürlich immer einfacher, Entscheidungen und Situationen zu bewerten. Aber selbst mit dem heutigen Wissen würde ich sagen: Wir haben bereits damals sehr viel richtig gemacht. Vielleicht hätten wir noch mehr Selbstvertrauen haben sollen, was die Expansion auf neue Märkte betrifft. Aber genau daran arbeiten wir gerade. Und zwar im typischen „audibene-style“. Das heißt: extrem professionell, mit viel Expertise und Kompetenz – aber vor allem jeder Menge Motivation.
 

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 
 

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Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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