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Von der Idee zum Geschäftsmodell: meeet

Frank Spandl, (c) Foto: Tobias Wille

Berlin ist nicht nur die Stadt der Startups sondern auch die der Co-Working-Spaces. Hier finden Gründer unkompliziert einen Platz zum arbeiten und zusätzlich ein Netzwerk mit Gleichgesinnten.
 
Ein besonders sympathisches Co-Working-Angebot meeet, das es seit dem 11. September 2015 in Berlin gleich 2 Mal gibt: einmal in Charlottenburg und einmal in Mitte. Bei meeet finden Trainer, Coaches und Berater ihr Netzwerk. Wir haben uns mit Gründer Frank Spandl über meeet unterhalten und warum er meeet gründen musste.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, meeet zu gründen?

Ich habe – aus Frankfurt/Main kommend – hier in Berlin die Coworking-Häuser der Kreativ- und Internetszene kennenlernen können und war begeistert von dieser Atmosphäre des Teilens, Vernetzens, gemeinsamen Arbeitens, der vielen Freelancern und kleinen Teams dort.
 
Ich selbst hatte über ein Jahr einen Schreibtisch im betahaus in Kreuzberg und dort eine Unmenge spannender Begegnungen.

Nur eins hat mir dort immer gefehlt:
Ein vernünftiger, gut eingerichteter und gemütlicher Besprechungsraum.

meeet (c) Foto: Tobias Wille

Und das ging nicht nur mir so. Viele meiner Freunde, die in Beratung, Training, Therapie oder Coaching arbeiten, sagten ebenfalls: Coworking schön und gut, aber mit meinen Kunden könnte ich da nicht arbeiten.
 
meeet (c) Foto: Tobias Wille
 
Irgendwann habe ich mich gefragt: Kann man diese beiden Bedürfnisse nicht miteinander verheiraten: Gemeinsam in einem Begegnungsraum arbeiten und doch Vertraulichkeit und Service garantieren? Das war der Gründungsimpuls von meeet.

Seit wann gibt es meeet?

Die Idee ist schon ein wenig länger bei mir: Mitte 2012 habe ich zum ersten Mal mit ein paar Coaches und Trainern darüber gesprochen. Doch erst, nachdem ich mein vorheriges Startup im Mai 2013 schließen musste, war Zeit dafür da, diese Idee weiterzuverfolgen.

Welche Schritte waren nötig, um die Idee marktreif zu machen?

Ich habe bei meinem gescheiterten Startup vorher – einer Crowdfunding Plattform für „grüne“ Projekte – vieles falsch gemacht, was ich dieses Mal besser machen wollte:

  • zu viele nicht überprüfte Annehmen getroffen,
  • zu früh in teure Entwicklung investiert, bevor der Kundenbedarf völlig klar war,
  • viel zu lange versucht, externes Risikokapital zu akquirieren.

Nötig war, komplett neu anzufangen – und das möglichst schlank – „lean“!

Was hat bei der Gründung gut funktioniert?

Bevor wir angefangen haben, habe ich eine große Anzahl intensiver Interviews mit den Menschen gemacht, die ich mir als Zielgruppe gesucht hatte. Viele waren sehr auskunftsfreudig und gern bereit, mir eine Stunde ihrer Zeit zu schenken. Mit diesen Informationen konnte ich wunderbar die genaue Ausprägung von meeet insgesamt 9 (!) mal anpassen.
 

 
Als es dann tatsächlich losging, waren wir super überrascht und erfreut, wie schnell sich Meeet unter unserer Zielgruppe herumgesprochen hat! Das war im besten Sinne so, wie sich das die Internet-Marketingexperten wünschen: Viral. Jeder, der mal bei uns war, hat das mindestens zwei weiteren Menschen erzählt. Dadurch konnten wir sehr schnell eine tolle Community aufbauen.

Was lief anders als geplant?

Die Finanzierung war extrem schwierig, da wir eben mit eigenem Geld und einem Gründerkredit statt mit Wagniskapital starten wollten.
 
Es ist trotz aller Beteuerungen, dass Kredite heute so leicht und so billig wie noch nie zu bekommen seien, extrem schwer, eine Bank mit einer neuen Idee, für die es noch keinen „Proof of Concept“ gibt, zu überzeugen. Also habe ich alles auf eine Karte gesetzt und bin voll und ganz ins persönliche Risiko gegangen.

Was hat Dir im Prozess der Gründung besonders geholfen?

Ich habe unheimlich viel in der Gründerszene der Berliner Startup-Community gelernt. Ganz wichtig waren mir die Bücher und Methoden aus dem „Lean Startup“ Umfeld, z.B. von Eric Ries oder Steve Blank und dabei besonders das Buch „Business Modell Generation“ von Alexander Osterwalder.

Wo hättest Du Dir mehr Hilfe gewünscht?

Ich merke, dass die Verwaltungs- und Buchführungsanteile, die ein eigenes Unternehmen mit sich bringt, eine echte Belastung für mich sind  – ich könnte in dieser Zeit so viele sinnvollere und schönere Sachen machen. 🙂
 

Ansonsten: Immer, wenn ich um Hilfe gefragt habe, habe ich auch welche erhalten. Das Klima ist in Berlin für Startups echt einzigartig, es gibt so eine Menge Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen, Meetups, bei denen man andere Gründer kennenlernen kann und Hilfen von Trainern und Gründungsberatern. Toll. Ich bin sicher, dass ich Meeet in Frankfurt/Main oder einer anderen „normalen“ Stadt nicht hinbekommen hätte.

Was würden Du heute anders machen?

Vermutlich nichts. Ich würde wieder das volle Risiko eingehen, wenn ich ausreichend Menschen getroffen hätte, die sich mein Produkt sehnlichst wünschen. Ich würde wieder die meiste Zeit in den Aufbau der Community investieren. Ich würde wieder Vieles verschenken und als gratis-Zugabe mitgeben – Geld kommt zu den Großzügigen.

Was würdest Du anderen Gründern für den Start mit auf den Weg geben?

Erstens:
Redet mit euren Kunden, auch und besonders wenn ihr bereits zu wissen glaubt, was sie wollen. Und redet nicht mit denen, die ihr schon kennt, sondern geht nach draußen und sucht euch Menschen, die euch nicht automatisch freundliche Antworten geben. Eric Ries, der Begründer der Lean Startup Methode wiederholt es wie ein Mantra: „Get out of the Building“

Zweitens:
Liebt eure Kunden. Entweder liebt ihr sie schon jetzt, dann hört nicht damit auf, oder verliebt euch in sie. Wenn ihr euch nicht in eure Kunden verlieben könnt – lasst diese Businessidee sterben und sucht euch eine neue.
 

 

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Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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