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Was bringt PR in Zeiten von Social Media?

Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften schrumpfen, ganze Redaktionen sterben und die klassische Tageszeitung landet immer seltener in deutschen Briefkästen. Statt dessen machen Leute von der Strasse wie Bibi ihren eigenen Youtube-Kanal auf oder starten ein Blog wie Schleckysilberstein. Viele von ihnen schaffen es, damit mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen als die klassische Tageszeitung.

Was macht die PR in dieser Situation? Pressearbeit aufgeben und sich nur noch auf Bibi & Co. konzentrieren?

 

Die Nachricht ist nichts mehr wert

 
Die Lage hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich verändert, weil Nachrichten an sich ihren Wert verloren haben. Denn durch das Internet gibt es an dieser Stelle keine Exklusivität mehr für Zeitungsverlage. Andere, vor allem Twitterer, sind näher dran am Geschehen und verbreiten die Nachricht sofort.

Gerry Sheffer, Vice President bei GE hat diesen Shift beim Edelmann’s Academic Summit 2014 so auf den Punkt gebracht:

When I started at GE my job was to keep three people happy: The Financial Times reporter, The Wall Street Journal reporter, and The New York Times reporter. And if did that, it was a good day. Today that consumes about one-thents of my energy.

 

Pressearbeit allein reicht nicht

 
Das Zitat zeigt, dass man mit Pressearbeit allein nicht mehr weit kommt. Neue Medien und neue Influencer sind hinzugekommen und sie müssen berücksichtigt werden. Die Öffentlichkeit, die man erreichen will, bewegt und informiert sich in einer Vielzahl öffentlicher Räume. Aufgabe der PR ist es, auch in diesen Räumen präsent und dialogbereit zu sein.
 
Die PR muss also mehr ihren eigentlichen Aufgaben gerecht werden, nämlich Beziehungen zu verschiedenen relevanten Öffentlichkeiten zu managen. In den Social-Media-Kanälen bekommt sie die Chance, den Dialog zu leben.
 

Ist Pressearbeit deshalb passé?

 
Das wäre zu kurz gedacht, denn Medien haben nach wie vor einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Sie gelten als neutral und glaubwürdig und profitieren vom klassischen Image als vierte Macht im Staate. Was in der Zeitung steht, stimmt. Das trifft vor allem auf lokaler Ebene zu, wie der BDVZ 2014 in einer Befragung sogar für junge Leser feststellte. Für das, was im Fernsehen läuft, gilt das erst recht. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie von 2014 nutzen Deutsche am meisten das Fernsehen, dann das Radio, gefolgt von Internet und Zeitung.
 

Medien erfinden sich neu

 
Ehemals auflagenstarke Zeitschriften wie die „Bravo“, die ein Drittel ihrer Auflage verloren hatte, entschließen sich neue Wege zu gehen. Bei Bravo heißt das seit 2015, dass das Heft nur noch alle 14 Tage erscheint – viele deuten das als Anfang vom Ende. Außerdem wurden Inhalte genauer auf Interessen von Lesern zugeschnitten und die gedruckte Ausgabe wird enger mit dem Angebot im Web und Social-Media-Kanälen verknüpft. Beispielsweise bietet die Redaktion erfolgreich Talks mit Teeniestars über die beliebte App „WhatsApp“ an.
 

Andere Zeitschriften wie Landlust legen in ihrer Auflage deutlich zu.

Große Trends sind aus diesen Titeln nicht herauszulesen. In keinem Segment finden sich gebündelt viele Aufsteiger, die Gewinner stammen stattdessen aus unterschiedlichsten Themenrichtungen.

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schreibt Jens Schröder 2014 bei meedia in einer 5-Jahres-Bilanz zu den Auflagen der Publikumszeitschriften.
 
Klassische Printprodukte, ob Tageszeitung, Wochenzeitung oder Zeitschrift, haben heute ihre Online-Auftritte und nutzen eigene Social-Media-Kanäle, um Inhalte besser zu verteilen. Das ist eine Möglichkeit mit den Medien und deren Lesern ins Gespräch zu kommen.
 
Der Medienmarkt bleibt im Umbruch. Was genau passiert, führt an dieser Stelle zu weit. Ich werde das in einem späteren Blogbeitrag aufgreifen.
 

Meine Tipps für Ihre Pressearbeit

 
Meine Erfahrung ist: Im lokalen Markt und/oder zu speziellen Themen erreicht man über Printmedien noch sehr gut eine interessierte Öffentlichkeit.
 
Wie macht man das?

  • Recherchieren Sie zuerst passende Medien und Redaktionen sowie Ansprechpartner.
  • Welche Themen werden in dem Medium bearbeitet?
  • Passen meine Themen dazu?
  • Habe ich meine Themen so aufbereitet, dass sie für Redaktionen interessant sind?

 
Nehmen Sie Kontakt mit den Redaktionen auf ohne aufdringlich zu sein. Bieten Sie ihnen passende Themen aus ihrem Unternehmen an und seien Sie nicht beleidigt, wenn sie nicht sofort mit Kusshand genommen werden. Suchen Sie das Gespräch und versuchen Sie herauszubekommen, was für die Redaktionen interessant ist.
 
Viele Redaktionen übernehmen gern Hinweise auf Veranstaltungen, die für ihre Leser interessant sind. Nutzen Sie hier die Chance, zusätzliche Informationen über Ihr Unternehmen geschickt einzubauen.
 
Da Redaktionen heute häufig ausgedünnt sind, steigt die Chance, dass gute Themen genommen werden. Erwarten Sie aber nicht einen 1:1 Abdruck. Das widerspricht dem öffentlichen Auftrag von Medien und es gibt da noch so etwas wie Pressefreiheit.
 
Seien Sie kreativ und bleiben Sie dran.
 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Pressearbeit!

  

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Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

11 Kommentare

  1. Pingback: Nominiert für den LiebsterAward › mondpropaganda

  2. Interessanter Beitrag. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Print weiter lebt und überzeugt. Einiges wird sich in Zukunft ändern: Vielleicht gibt es irgendwann keine gedruckte Tages- dafür aber eine Wochenzeitung. Dann haben die Menschen Zeit und Lust, gut geschriebene Artikel zu lesen. Und wenn PR-Leute es schaffen, hier Kunden mit authentischen Geschichten zu platzieren, die nicht in jeder Zeile nach Werbung kreischen, haben doch alle gewonnen. Ich finde die Entwicklung spannend. Für mich als Redakteurin und Dozentin gibt es so auch immer neue Projekte.

    • Liebe Insa,

      in beiden Punkten kann ich Dir nur zustimmen! Und acquisa schrieb gestern:

      „Noch nie war der Kiosk so bunt wie heute. 62.207 Zeitschriften registrierte die Deutsche Nationalbibliothek im vergangenen Jahr, 4825 Titel mehr als vor zwei Jahren!“

      Hier erkennt man auch den Trend zur Nische. Das bedeutet für PR-Leute genau hinsehen und auf Bedürfnisse reagieren. Social Media Kanäle können da sehr helfen!

      Danke für Deinen Kommentar und herzliche Grüße
      Nadja

  3. Journalisten hin und Journalisten her. Und wer denkt an mrs. mo? Wer denkt an mich? Bin ich etwa nicht gut genug als Leserin von Blogs? Zählt meine Meinung nicht? Ich sag’s ja vielleicht meinem Freund Berti auch weiter, wenn ich was gut finde!

    mrs.mo

    • Liebe mrs.mo,

      natürlich zählt Ihre Meinung genauso und wenn Sie etwas ihrem Freund Berti empfehlen, ist das ebenso wichtig. Nur haben Journalisten eine andere Reichweite als einzelne Leser und deshalb ist es sinnvoll, auf deren Bedürfnisse zu reagieren.

      Herzlich Nadja

  4. Wunderbar auf den Punkt gebracht, liebe Nadja. Und ganz besonders wichtig als Voraussetzung einer erfolgreichen Pressearbeit: die eigenen Themen mit der Brille des Journalisten zu betrachten. Denn nicht alles, was für einen selbst oder das eigene Unternehmen wichtig oder spannend erscheint, ist dies auch aus Sicht der Presse. Hier gilt es zu schauen, wie relevant die eigenen Inhalte für ein Medium sind. Je nachdem kann es dann tatsächlich sogar mal für den oft im Kundengespräch gehörten Traum vom Artikel in der FAZ oder Süddeutschen passen.
    Herzliche Grüße
    Martina

    • Liebe Martina,

      danke Dir für Deinen Kommentar! Der Aspekt, mal aus der Perspektive von Journalisten zu denken, ist nicht zu unterschätzen! Und wenn es nicht gleich die FAZ ist, dann ist es die regionale Zeitung, die für manches kleine Unternehmen sogar wichtiger ist als die überregionale FAZ.

      Danke für diesen Hinweis und herzliche Grüße von
      Nadja

  5. Sehr schön zusammengefasst! Meiner Erfahrung nach funktionieren vor allem lokale Themen in den lokalen Medien gut (wen wundert’s?), doch gerade Freiberufler und ganz kleine Unternehmen ohne großen lokalen Bezug haben es schwer, in die lokalen Medien zu kommen. Da muss man sich schon richtig etwas einfallen lassen um aufzufallen. Wenn man als kleines oder mittelständisches Unternehmen die Wirtschaft ankurbelt (Arbeitsplätze schafft) und/oder irgendwie sozial engagiert ist, hat man aber gute Chancen. Viele Grüße, Katharina

    • Liebe Katharina,

      vielen Dank für Deine Ergänzung! Stimmt: Auf die guten Ideen kommt es an – und nicht unbedingt auf das Budget. Wenn Unternehmen zu sehr mit ihrem Alltagsgeschäft zu tun haben, bleiben die Ideen manchmal auf der Strecke. Da hilft es, sich ab und zu klar zu machen, was man eigentlich leistet.

      Herzliche Grüße
      Nadja

  6. „Was bringt PR in Zeiten von Social Media?“ – Genau, am besten das: Social Media sollten genutzt werden, um die eigene PR-Arbeit zu ergänzen. Und so sollte man bei der Herausgabe einer PR-Pressemitteilung gleich alle einbeziehen, egal ob Social Media, Print, Radio oder TV. Texte in Social Media sind kurz und knapp, so ist das gewollt. Hier findet sich oft weniger Informationsgehalt, mehr was für einen schnellen Blick. Je anspruchsvoller und gründlicher ein PR-Artikel recherchiert ist, umso höher der Mehrwert für den Leser. Und damit auch für die Redaktion. Und natürlich sollte man nicht einen „1:1 Abdruck“ erwarten. Ganz im Gegenteil, es ist doch oft sehr spannend, was Journalisten daraus machen. Oft ergänzen sie durch eigene Recherchen zum Thema, liefern zusätzlich Informationen, Fakten, Hintergrund und werten dadurch noch inhaltlich auf. Und wenn daraus dann ein langer Artikel in einer Zeitung aus Papier wird, ist das auch nicht verkehrt. Vielen Dank, liebe Nadja, für den anregenden Blogbeitrag. Weitermachen!

    • Liebe Barbara,

      danke für Deine Ergänzung – ja, so ein gedruckter Beitrag fühlt sich immer noch einmal ganz anders an – besonders für die Kunden!

      Herzlich Nadja

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