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Was macht Unternehmensgründungen erfolgreich? Ein Gespräch mit einem, der es geschafft hat.

Norman Thier

Norman Thier gründete 2005 mit seinem Geschäftspartner die Greenlife Value GmbH. Sie hatten die sichere Festanstellung bei Coca-Cola verlassen, um mit ihrer Geschäftsidee den Markt zu erobern. Sie wollten mit mikrowellenfähigen Stofftieren dem Verbraucher eine Alternative zu Wärmeflaschen und Kirschkernkissen bieten. Der erste Prototyp war ein brauner Bär ohne Augen. Inzwischen ist das Unternehmen mit seinen „Warmies“ zum Marktführer bei Wärmeprodukten geworden. Angefangen hat alles in einem acht Quadratmeter großen Büro in einem Berliner Außenbezirk.

Herr Thier, was hat Sie denn in die Selbständigkeit getrieben?

„Das waren diverse Gründe. Ich wollte etwas Produktives tun und ein eigenes Ergebnis schaffen. Mit Mitte 20 hatte ich den Wunsch, die Zwänge des Angestelltendaseins zu verlassen, meinen Horizont zu erweitern und den eigenen Wirkungsgrad mehr zu fühlen. Ich wollte nicht mehr eingefahrene Wege gehen und meiner stetigen Lust auf etwas Neues nachgehen können. Letztlich war mir die langfristige Unabhängigkeit, sowohl zeitlich als auch monetär, wichtig.“

Wie haben Sie es geschafft, Marktführer in diesem Bereich zu werden?

„Um erfolgreich zu ein, muss man von Perfektionismus absehen. Das perfekt ausgestattete Büro hilft mir als Gründer nicht weiter. Wichtiger ist es, die Geschäftsidee zu entwickeln. Mit der Idee muss man ein Ziel formulieren:

  • Wo will ich hin?
  • Will ich überleben oder will ich Millionär werden?

Passend zu diesem Ziel muss ein Konzept entstehen, das einen Rahmen vorgibt, in dem das Prinzip von „try and error“ gelebt wird. Das ist wichtig, wenn man es mit knappen Ressourcen zu tun hat. Denn der ständige Ressourcenmangel ist ein Hauptproblem des Gründers: der Mangel an Zeit und Geld auf der einen und die Notwendigkeit zu Wachsen und Umsatz zu machen auf der anderen Seite. Diese beiden Punkte stehen sich konträr gegenüber und sind eine tägliche Herausforderung. Geld sollte man nur da investieren, wo etwas verdient werden kann.“

Worauf kommt es an? Muss man ein Gründertyp sein?

„Der Gründer ist Entscheider und Initiator. Von ihm hängt alles ab. Er muss die Kugel ins Rollen bringen. Nicht jeder ist für diese Rolle geschaffen. Schlüsselfähigkeiten sind erforderlich:

  • Gründer müssen von ihrem Vorhaben überzeugt sein.
  • Sie müssen sich jeden Tag selbst motivieren können.
  • Vor allem sollten Gründer das Gefühl haben, mit ihrem Tun etwas bewegen zu können: Ich tue das, weil es ein bestimmtes Ergebnis haben wird.

Erfolgreichen Gründern geht es mehr um das Gestalten als um Anpassung an das Marktgeschehen.“

Norman Thier versteht sich als Entrepreneur, nicht als Unternehmensmanager. Denn im Unterschied zum Manager, der vorhandene Produkte und Dienstleistungen mit vorgegebenen Strukturen versucht an den Konsumenten zu bringen, bedeutet Entrepreneurship, Marktchancen zu nutzen und daraus funktionierende Geschäftsideen zu entwickeln. Dafür müssen neue Strukturen erst geschaffen und vorhandene Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden.

Die Situation des Entrepreneurs ist reizvoll und gleichzeitig am schwierigsten, warum?

„Als Neugründer ist man erst einmal von der Komplexität der Aufgaben gefordert. Es gibt keine Stellenbeschreibung, keine festgelegten Abläufe und vorgegebene Strukturen. Die muss der Gründer erst schaffen. Das ist ein völlig neuer Arbeitsrhythmus.“

Das ist sehr komplex. Muss man denn alles wissen?

„Man muss nicht alles wissen. Man kann sich Komponenten dazu kaufen, wie es Professor Faltin in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ formuliert. Aber man sollte eine Ahnung von den Komponenten haben und sich Grundzüge der Wissensbereiche wie Betriebswirtschaftslehre, Steuer, Recht und Logistik erarbeiten. Nach meiner Meinung sind persönliche Faktoren entscheidender als Fachwissen. Man braucht beispielsweise ein Gespür für geschäftliche Gelegenheiten wie Marktlücken und Bedürfnisse von Kunden. Man muss bereit sein, Fehler zu machen und auch einmal „Nein“ sagen können. Man sollte pragmatisch sein und seine mangelnde Erfahrung mit sachlicher Analysefähigkeit ausgleichen. Dann heißt es ausprobieren, nachfragen, sich nicht entmutigen lassen. Mir hat sehr geholfen, dass ich einen Geschäftspartner hatte, mit dem ich über Probleme reden konnte. Miteinander reden war sozusagen ein Schlüssel zum Erfolg.“

Welche Tipps würden Sie Existenzgründern geben?

„Man muss eine gewisse Vorstellungskraft haben, welche Wirkungen die eigenen Handlungen und Entscheidungen haben werden. Und man muss in der Lage sein, sich in bestimmten Situationen schnell entscheiden zu können. Wichtig sind daneben eine strukturierte Arbeitsweise, um sich nicht im Detail zu verlieren sowie Leidenschaft und Authentizität. Wir haben die Fixkosten immer versucht zu minimieren, uns auf die Kernaufgaben konzentriert, Nebenaufgaben abgegeben und auf mehrere „Pferde“ gesetzt. Ich habe viel mit Leuten geredet, die in bestimmten Bereichen Erfahrungen hatten, die ich gerade brauchte. Daneben war es für mich sehr wichtig, Zeit für das Privatleben zu haben. Das ist eine Frage des Zeitmanagements.“

Kann denn jeder erfolgreicher Unternehmer werden?

„Man muss nicht das große Geld haben, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Wichtiger sind Pragmatismus und das Tun. Eine Grundvoraussetzung ist jedoch: Man darf die ersten ein bis zwei Jahre nicht darauf angewiesen sein, davon zu leben zu müssen. Denn sonst trifft man die falschen Entscheidungen. Man ist dann nicht risikofreudig und probiert Dinge nicht aus.“

Was hat entscheidend zum Geschäftserfolg der „Warmies“ beigetragen?

„Wir haben den Produktkern immer erlebbar gemacht. Bei Gesprächen haben wir potentiellen Kunden ein warmes Stofftier in die Hand gegeben. Das sagte mehr als tausend Worte. Und wir haben die Produktidee immer wieder gleich kommuniziert: In unseren E-Mails, auf der Webseite, auf den Rechnungen und so weiter. Man muss es für den Kunden verständlich rüberbringen. Das kann man nur mit einem guten Konzept, das eine Kernbotschaft enthält. Letztlich haben wir unsere Produkte immer wieder an Kundenwünsche angepasst, gute Partner für den Vertrieb gefunden und ein funktionierendes Vertriebssystem aufgebaut.“

Einmal Entrepreneur immer Entrepreneur – Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

„Seit dem Sommersemester 2013 lehre ich an der FOM Hochschule in Berlin „Marketing und Sales“ sowie „Integriertes Marketing- und Vertriebsmanagement“. Daneben arbeite ich an einem Buch und mit meinem Geschäftspartner setze ich gerade eine neue Business-Idee um. Aber mehr wird noch nicht verraten! Und für andere Existenzgründer biete ich auch Support an.“

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

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