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Wer braucht einen Geschäftsbericht?

Martina Schäfer

Einen Einblick in die Welt der Geschäftsberichte gewährt uns Martina Schäfer, Expertin in Sachen Finanzkommunikation und Inhaberin der Agentur FINIS Kommunikation, in diesem Blogbeitrag:

Jetzt ist wieder „Geschäftsberichts-Saison“. Für mich als Texterin im Bereich Investor Relations – oder zu deutsch Finanzkommunikation – bedeutet das: Meine Auftraggeber benötigen Inhalte für ihren Geschäftsbericht – und zwar kurzfristig und den Vorschriften entsprechend. Doch anders als bei Veröffentlichungen wie Broschüren oder Fachartikeln kommt es hierbei weniger darauf an, welche Informationen Unternehmen vermitteln wollen. Vielmehr müssen sie sich gerade im Lagebericht an den gesetzlichen Vorgaben orientieren. Beim Imageteil sieht die Sache schon wieder anders aus und die Unternehmen können sich von ihrer besten Seite präsentieren.

Geschäftsbericht – Imageteil – Lagebericht: Was ist das eigentlich genau? Wer braucht so etwas? Oder: Muss ich als Unternehmer vielleicht auch einen Geschäftsbericht erstellen? So oder ähnlich lauten die Fragen, die ich oft höre, wenn ich mich als Texterin für Investor Relations vorstelle. Ein paar dieser Fragen möchte ich hier nun gerne beantworten:

Wer braucht einen Geschäftsbericht?

Einen Geschäftsbericht brauchen in jedem Fall Kapitalgesellschaften. Und dabei bleibt ihnen keine Wahl, ob sie diesen veröffentlichen wollen. Denn das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) verpflichtet sie dazu.

Oh je, schon wieder Vorschriften, die nur zu hohem Aufwand und unnötigen Kosten führen, mögen Sie jetzt denken. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Sicher ist der Geschäftsbericht eine – vielleicht manchmal lästige – Pflicht. Doch er ist viel mehr als das. Denn er ist Informationsquelle für Eigentümer und Öffentlichkeit und er kann dabei helfen, ein positives Bild der Gesellschaft nach außen zu transportieren. So kommt es tatsächlich oft dazu, dass Unternehmen freiwillig einen Geschäftsbericht erstellen – und dies völlig unabhängig von ihrer Größe.

Für kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht berichtspflichtig sind, können Geschäftsberichte nämlich einige Vorteile bringen. Denn hier bestimmen sie schließlich selbst, welche Informationen sie veröffentlichen und wie sie sich darstellen wollen. Im Bankgespräch, bei Verhandlungen über langfristige Verträge oder auch bei der Kundengewinnung kann ein guter Geschäftsbericht somit den Ausschlag für eine positive oder negative Entscheidung geben.

Was gehört rein?

In erster Linie soll ein Geschäftsbericht die Eigentümer und andere Interessenten wie zum Beispiel Analysten, Banken und Berater über die Geschäftslage eines Unternehmens informieren. Daher ist er vor allem ein Zahlenwerk mit ergänzenden Erklärungen. Die genauen Vorschriften für die Inhalte hängen von der Größe der Kapitalgesellschaft ab und finden sich im HGB beziehungsweise richten sich nach dem internationalen Rechnungslegungsverfahren IFRS.

In jedem Fall gehören die Bilanz und ein Anhang zu einem Geschäftsbericht. Bei größeren Gesellschaften kommen hinzu: der Jahresabschluss, die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), der Lagebericht, der Bericht des Aufsichtsrats und der Vorschlag und Beschluss über die Verwendung des Gewinns. Prüfungspflichtige Unternehmen müssen außerdem den Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers ergänzen.

Neben diesen Pflichtangaben enthalten viele Geschäftsberichte aber auch noch den sogenannten Imageteil. Dieser Teil lässt viel Raum für Ideen. Darin können sich die Unternehmen in Form von Portraits, Berichten oder durch Interviews von Vorstand und Mitarbeitern sowie mit interessanten Grafiken oder Fotos perfekt präsentieren – genauso wie es seine Zielgruppe am besten ansprechen kann.

Wie oft und wie umfangreich muss er erscheinen?

Wann und wie oft ein Unternehmen seinen Geschäftsbericht veröffentlichen muss, regelt wiederum das Gesetz. So muss eine kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft die vorgeschriebenen Inhalte innerhalb von vier Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres bekanntgeben. Da das Geschäftsjahr in den meisten Unternehmen identisch mit dem Kalenderjahr ist, liegt die Frist hier also in den ersten vier Monaten eines Jahres. Für die übrigen berichtspflichtigen Unternehmen ist diese etwas länger gefasst und beträgt ein Jahr.

Jetzt könnte man meinen: Dies ist ein langer Zeitraum. Und was ist, wenn in der Zwischenzeit etwas Entscheidendes passiert? Auch dafür hat der Gesetzgeber natürlich gesorgt. In diesem Fall müssen die Unternehmen Mitteilungen über wichtige Geschäftsvorfälle herausgeben. Außerdem müssen Aktiengesellschaften halbjährlich Zwischenberichte veröffentlichen. Und je nach dem in welchem Börsensegment sie notieren, kommen noch Quartalsberichte hinzu. Diese beiden Werke sind normalerweise kürzer als der jährliche Geschäftsbericht, geben jedoch trotzdem einen Einblick in die Geschäftstätigkeit.

Wie umfangreich ein Geschäftsbericht wird, hängt aber nicht nur von der Größe des Unternehmens ab. Natürlich sorgt bei großen Kapitalgesellschaften schon die Zahl der Pflichtangaben dafür, dass der Bericht deutlich länger wird als bei kleineren. Allerdings beschränken sich viele Gesellschaften längst nicht mehr auf diese Angaben. Sie nutzen ihren Geschäftsbericht auch zur Imagepflege. Das heißt, die Unternehmen präsentieren sich selbst, ihre Unternehmensleitung, die Mitarbeiter sowie ihre Produkte oder Dienstleistungen. Sie stellen ihre Standorte vor, berichten über Pläne und Visionen und machen damit Lust auf Investitionen, Presseberichte oder Käufe. Und hiermit wird schon deutlich: Der Geschäftsbericht eines großen Unternehmens kann schnell mehr als 100 Seiten umfassen.

Worauf muss man achten? Und wer setzt es um?

Beachten müssen die Unternehmen bei ihren Geschäftsberichten vor allem die umfangreichen Vorschriften des HGB und des IFRS. Dies sind sozusagen die Mindestanforderungen. Da sie aber in den meisten Fällen mit ihrem Geschäftsbericht mehr wollen, als nur zu informieren, sind ein gutes Konzept und eine ansprechende Gestaltung wichtig. Denn hierbei kommt es darauf an, Ideen zu entwickeln, mit denen das Unternehmen seine Ziele erreicht. Ebenfalls entscheidend sind gut aufbereitete und leicht lesbare Inhalte. Dazu gehört übrigens auch ein einheitlich formulierter Lagebericht. Denn in vielen Unternehmen kommen die Informationen für diesen Teil aus unterschiedlichen Abteilungen. Daher finden sich darin meist verschiedene Schreibstile wieder, was sich jedoch durch eine redaktionelle Überarbeitung gut vereinheitlichen lässt.

Verantwortlich für die Umsetzung im Unternehmen ist meist die Abteilung Investor Relations. Manchmal ist die Aufgabe auch in der Unternehmenskommunikation und PR-Abteilung oder in kleinere Aktiengesellschaften direkt beim Vorstand angesiedelt. Viele Unternehmen arbeiten zusätzlich mit einem Texter oder einer Texterin zusammen, die sich auf Finanzkommunikation spezialisiert haben, oder beauftragen eine Agentur wie meine Agentur FINIS-Kommunikation.

Wer bekommt den Geschäftsbericht? Und wann?

Die Zielgruppe eines Geschäftsberichts umfasst viele verschiedene Personen und Institutionen. Dazu gehören einmal Investoren oder Aktionäre, Banken und Analysten. Bei ihnen geht es fast immer darum, wie sie die Erfolgsaussichten eines Unternehmens einschätzen. Danach entscheiden sie, ob sie ihr Kapital dort anlegen oder der Gesellschaft Kredite zur Verfügung stellen. Außerdem interessieren sich auch Kunden, Lieferanten, die Mitarbeiter und die Medien für Geschäftsberichte. Denn darin finden sie wichtige Angaben über die Lage eines Unternehmens.

  • Wie sind die Umsätze und Gewinne?
  • Wie steht es mit dem Kapital?
  • Welche Forderungen und Verbindlichkeiten hat die Gesellschaft?

Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen können zum Beispiel einen Hinweis darauf geben, wie zahlungskräftig ein Unternehmen ist oder wie sicher die Arbeitsplätze dort sind.

Wer sich für den Geschäftsbericht einer Gesellschaft interessiert, muss diesen heute meistens dort anfordern. Früher haben viele das Werk ihren Aktionären, den Banken und Analysten sowie Pressevertretern zugeschickt. Wegen der hohen Kosten für Druck und Versand ist das heute zumindest bei den Aktionären oft nicht mehr so. Stattdessen erhalten diese mit der Einladung zur Hauptversammlung eine Kurzfassung des Geschäftsberichts mit den wichtigsten Angaben im Format eines Flyers. Wenn sie dennoch das vollständige Werk in ihren Händen wollen, bitten sie dann um Zusendung eines Exemplars. Außerdem liegen die Geschäftsberichte bei den Hauptversammlungen aus und stehen fast immer auch zum Download auf der Internetseite der Gesellschaft bereit.

Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesen Informationen einen Einblick in die Welt der Geschäftsberichte geben konnte. Vielleicht halten Sie ja bald ein solches Werk einmal in Ihren Händen und betrachten es gleich mit anderen Augen.

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

2 Kommentare

  1. Durch eine Recherche bin ich auf Ihren interessanten Beitrag gestoßen. Ich habe eine Website erstellt, in der es mehr um gestalterische Fragen zur Erstellung von Geschäftsberichten geht – aber auch Tipps zur Struktur und Produktion sowie zu rechtlichen Vorgaben von Jahres- und Geschäftsberichten bietet. Vielleicht gibt es Möglichkeiten Synergien zu nutzen?
    Beste Grüße von Matthias Hugo aus Köln

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