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Wie Sabine Stengel Ideen rettet

(c) Sabine Stengel

In diesem Jahr möchten wir eine Serie mit Blogbeiträgen veröffentlichen, die zeigen, wie aus einer Idee ein Geschäftsmodell entstehen kann. Wir wollen dafür Gründer zu Wort kommen lassen, wie sie ihr Business entwickelt haben. Als Auftakt stellen wir die Ideenretterin Sabine Stengel vor. Sie sorgt dafür, dass aus den Ideen mittelständischer Unternehmen Produkte entstehen, die Menschen lieben.

Komfortzone verlassen

Unsere Begegnung startete gleich mit einer kleinen Mutprobe: Mit dem Paternoster weiterfahren und sehen, was passiert. Es wurde dunkel, ging tief nach unten und wir kamen nicht mit den Füßen zuerst im Erdgeschoss wieder an. Geschafft.

Warum diese Mutprobe?

Weil wir jeden Tag mindestens einmal aus unserer Komfortzone raustreten sollten und etwas tun, was wir sonst nicht tun. Das hält uns jung und unseren Kopf fit!“, meint die Ideenretterin.

Netzwerken ist nutzen

Sabine Stengel hat eine sehr erfrischende Art. Mit einem Lächeln holt sie einen sofort ab und steuert klar auf das Ziel zu. Mit ihr geht netzwerken und Business machen ganz unverkrampft. Akquise um jeden Preis ist nicht ihr Ding. Sie hat in den Jahren als Unternehmerin genug Erfahrungen und Netzwerk-Kontakte gesammelt, um durch Empfehlungen neue Aufträge zu bekommen.

Neben ihrem Job engagiert sie sich für andere: im Rahmen des TWIN-Programms der Käte-Ahlmann-Stiftung begleitet sie ehrenamtlich als Mentorin junge Unternehmerinnen und im Rahmen des Programms FRAUEN unternehmen geht sie an Schulen, um schon dort jungen Leuten Lust auf die eigene Unternehmensgründung zu machen.

Ideen retten in Unternehmen

In Unternehmen ist Sabine Stengel als Innovationsmanagerin unterwegs.
Das klingt hochtrabend und der Begriff ist reichlich strapaziert. Aber eigentlich beobachtet sie als Außenstehende für einige Zeit die Geschäftsprozesse:

  • Wie gehen Geschäftsleitung und Angestellte miteinander um?
  • Dürfen Mitarbeiter Fehler machen?
  • Wie ist der Kundenkontakt?
  • Wo und wann entstehen im Unternehmen Ideen und wie werden sie umgesetzt?

Impulsgeberin für neue Unternehmenskultur

Daraus entwickelt sie Handlungsempfehlungen, gibt Impulse, um das Innovationsgeschehen weiter zu verbessern.

Umsetzen müssen die Unternehmerinnen und Unternehmer das selbst, denn es ist ihre Firma und ihre Verantwortung. Was ich erlebe ist, dass sich in vielen Unternehmen die Kultur grundsätzlich ändern muss, um weiter überleben zu können.

Von Google überrollt

Sabine Stengel schöpft dabei aus ihren 19 Jahren Erfahrung als Unternehmerin, flankiert von Wissen aus dem einjährigen Zertifikatsstudiengang „Innovationsmanagement“ an der Leuphana Universität Lüneburg.

Ihr eigenes Business ist von Google überrollt worden. Die Ingenieurin Sabine Stengel hat lange Jahre ein Kartografie-Unternehmen mit mehreren festen Mitarbeitern geführt. Das Unternehmen fertigte individuell gestaltete Landkarten für Businesskunden in ganz Europa. Das Geschäft mit Landkarten funktionierte so lange gut, bis Google-Maps kam und keiner mehr Geld für „schöne Landkarten“ bezahlen wollte.

Abschied vom Traumberuf

Der Abschied vom Kartenzeichnen ist mir nicht leicht gefallen“, sagt sie. „Landkarten zu zeichnen war 25 Jahre mein Traumberuf. Da ist bei mir schon die eine oder andere Träne geflossen, wenn ich Mitarbeiter entlassen musste, weil die wirtschaftliche Lage keine Festanstellung mehr zuließ. Und seinen Traumberuf aufzugeben, das fällt niemandem leicht!

Doch statt lange zu lamentieren, hat sie sich auf das besonnen, was sie richtig gut kann und ist Ideenretterin geworden. Das ist inzwischen ihr neuer Traumberuf. Einige Karten fertigt sie noch heute – aber nur auf besonderen Wunsch langjähriger Kunden.

Wie kommt man nun von der Geschäftsidee zum Geschäftsmodell?

Die Ideenretterin wägt ab. Ihr eigenes Geschäftsmodell hat sie Schritt für Schritt entwickelt und ausprobiert, was für sie passt.

Einerseits kommen zu ihr Unternehmer, die keine Ideen mehr haben. Denen hilft sie mit Innovationstrainings und der Stärkung von ausgewählten Mitarbeitern, die sie zu Innovations-Champions macht. Ziel dabei ist es, auf Dauer eine Innovationskultur im Unternehmen zu entwickeln.

Andererseits gibt es die Visionäre und Kreativen, die ertrinken in der Vielzahl ihrer Ideen und setzen zu wenig davon um. Die unterstützt sie dabei, wie sie sich immer wieder fokussieren können, hilft aus 1000 Ideen zwei oder drei auszuwählen. Diese werden dann zu einem Prototypen entwickelt und erstmal an Zielkunden getestet.

Dabei geht es mir immer darum, mich selbst auf Dauer überflüssig zu machen“, lächelt sie. „Wenn die Mitarbeiter im Unternehmen mit Begeisterung kontinuierlich Innovationen entwickeln, Ideen immer willkommen sind, dann habe ich einen guten Job gemacht.

Ob sie keine Angst hat, dass ihr Geschäftsmodell kopiert wird.

Meine Kunden lieben meinen fröhlichen Optimismus, meine Ausstrahlung, meine Erfahrung. Ich inspiriere, mache Mut, meine Begeisterung ist ansteckend. Ich bin nicht zu kopieren.

Wie sind Sie Ideenretterin geworden?

„Als das alte Business nicht mehr so gut lief, hab ich mir ein Coaching gegönnt, um herauszufinden, was ich außer Kartenzeichnen noch gut kann, was mir leicht fällt und was ich gerne mache. Ich bin eine leidenschaftliche Problemlöserin, Ideen zu finden und weiterzuentwickeln macht mir riesigen Spaß. Und das habe ich dann mit dem Innovationsmanagement-Studium fachlich unterfüttert.“

Wessen Ideen retten Sie denn?

„Ich rette die Ideen kleiner und mittelständischer Unternehmerinnen und Unternehmer, die schon ein paar Jahre auf dem Markt sind. Und ich arbeite gerne für gemeinnützige Organisationen und für Social Entrepreneurs, also Unternehmen, die im gesellschaftlichen Kontext tätig sind, die was verbessern wollen.

Startups und Gründerinnen haben ja schon ihre Gründungsidee, die brauchen nicht mich – sondern eine fundierte Gründungsberatung.“

Gibt es auch Unternehmen, die Sie nicht beraten?

„Wenn ich feststelle, dass ich hier nur zu Alibizwecken eingesetzt werde, nach dem Motto, hallo, schaut her, wir tun doch was für unsere Zukunftsfähigkeit, aber immer wieder an der „Beratungsresistenz“ der Unternehmensleitung scheitere und kein wirklicher Wille zur Veränderung erkennbar ist, dann beende ich auch mal vorzeitig ein Projekt.
Für Alibi-Innovationen ist mir meine Lebenszeit zu schade.
Und meine Kunden wähle ich auch nach meinem eigenen Wertesystem. Es gibt Branchen, für die arbeite ich grundsätzlich nicht.“

Wie viele Ideen haben Sie schon gerettet?

„Das sind schon einige, aber es ist schwierig das in Zahlen zu fassen. Bei vielen Kunden gebe ich die Impulse, wie sie die Grundidee zu einem tollen Produkt weiterentwickeln können. Bei anderen baue ich interdisziplinäre Teams auf und sorge dafür, dass diese kontinuierlich ihre Ideen selbst retten. Oder ich unterstütze sie dabei, aus einer schönen Idee eine außergewöhnliche zu machen, die die Unternehmen dann selbst in ein Produkt oder eine neue Dienstleistung umsetzen.

Das klingt „einfach“, weil ich es gut kann.“

Worauf kommt es an, wenn man aus einer Idee ein Geschäftsmodell entwickeln möchte?

„Die meisten Ideen sterben einen langsamen Tod und verstauben in Schubladen. Ideen zu haben produziert Endorphine. Ideen zu spinnen ist wie Schokolade essen. Aber die Idee umzusetzen, das ist anstrengend. Ich muss den Mut haben, dass meine Idee nicht perfekt ist. Sie muss nur einfach funktionieren. Nicht zu lange nachdenken, tun! Ausprobieren – das ist das Wichtigste.

Es klingt banal, aber ich muss den Kunden für mein Produkt genau kennen. Wir neigen dazu, unsere Freunde um Rat zu fragen, wenn wir eine tolle Geschäftsidee entwickeln.
Damit machen wir es uns schön einfach. Wenn Mutti, Tante Erna und alle meine Facebook-“Freunde“ die Idee toll finden, dann MUSS das doch einfach ein Erfolg werden, oder?

Dabei vergessen wir, dass unsere Freunde und Familie uns mögen. Und damit mögen sie meist auch automatisch unsere Idee. Aber sind Tante Erna und meine Facebook-Freunde wirklich meine Kundenzielgruppe? An diesem Missverständnis scheitern unzählige gute Ideen.

Ich nehme also meine Anfangsidee und entwickle für diesen Zielkunden, zum Beispiel nach der Methode Lean Startup, mit kleinem Geld erstmal einen ganz einfachen, funktionierenden Prototypen – und teste ihn direkt mit meinem Kunden. Dann passe ich die Idee an. Ich probiere aus, ändere, verwerfe. Und wenn der Prototyp funktioniert, dann kann ich daraus ein Geschäftsmodell entwerfen.

Genauso wichtig finde ich: Ich brauche ein Ausstiegsszenario!
Wieviel Geld, Kraft und Zeit investiere ich in meine Idee? Das muss ich für mich festlegen, am besten schriftlich. An welchem Punkt steige ich aus, versuche es vielleicht später nochmal, oder verabschiede mich von der Idee, weil sie einfach hier und jetzt nicht funktioniert. Und probiere etwas anderes. „Kill your darling“, seine Lieblingsidee loszulassen, das ist extrem schwer. Das weiss ich aus eigener, bitterer Erfahrung.“

Sie schreiben von wertvollen Fehlern auf Ihrer Website, inwiefern sind Fehler wertvoll – da ja keiner welche machen will und niemand darüber sprechen mag?

„Ich meine damit nicht Fehler, die aus Faulheit oder absichtlich passieren.
Sondern solche, die wir machen, wenn wir etwas tun, was wir noch nie vorher gemacht haben. Wenn wir ein Risiko eingehen.

Wenn wir uns auf unbekanntem Terrain bewegen, Neues ausprobieren, kommen wir gar nicht dran vorbei, auch mal Fehler zu machen. Kein Mensch kommt allwissend auf die Welt. Und manche Produkte oder Abläufe sind so komplex, die können gar nicht von Anfang an fehlerfrei sein. Davon kann jeder Softwareentwickler ein Lied singen…

Ist es nicht wunderbar, dass wir im Leben laufend dazu lernen dürfen?! Ich nenne das daher auch lieber „Lern-Chancen“, Innovations-Chancen.
Ich wünsche mir eine neue Fehlerkultur, vor allem in Deutschland. Ich hoffe, es gäbe mehr Menschen, die souverän genug sind und den Mut haben, offen über ihre Umwege und „Lernchancen“ zu reden. Davon könnten wir alle profitieren.

„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ das ist einer meiner Lieblingssätze.
Nie hätte ich so viel lernen und fundamentale Erfahrungen sammeln können, wenn ich nicht manchen Umweg genommen, in Sackgassen gelaufen und hingefallen wäre. Das ist bitter und tut weh. Aber es gehört einfach dazu!
Das Wichtigste ist dabei, dass ich möglichst schnell wieder aufstehe, wenn ich hingefallen bin, mich einmal schüttele, mir anschaue was schief gelaufen ist. Und daraus lerne.

„Lessons learned“ ist eine der wichtigsten Bausteine des Erfolges!“

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Haben Sie Fragen zum Beratungsangebot?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Telefon: 030 / 98 30 51 49 E-Mail: info@startbox-berlin.de

Autor: Nadja Bungard

Ich begleite Unternehmen und Gründer dabei, ihr Business bekannter zu machen. Sie profitieren dabei von meinen Erfahrungen als Journalistin, PR-Beraterin und Online-Marketing-Managerin, also online und offline.

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