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Woran erkennt man einen guten Coach?

Katja König

Den richtigen Begleiter für die Existenzgründung zu finden ist keine leichte Aufgabe. Die Existenzgründung ist ein Schritt in unbekanntes Terrain. Auf Erfahrungen und Gewohntes kann man sich nicht mehr zu 100 Prozent verlassen. Deshalb sind Gründer für einen kompetenten Begleiter in dieser Phase ihres Lebens aufgeschlossen. Doch wie findet man den passenden Coach? Wir haben dazu ein Interview mit Katja König, selbst Gründerin sowie zertifizierter Systemischer BusinessCoach und Diplom Sprechwissenschaftlerin, geführt.

Liebe Katja, worauf sollte ein Gründer achten, wenn er oder sie sich auf die Suche nach einem passenden Gründercoach macht?

Zunächst ist es wichtig, sich klar zu machen, welche Art von Unterstützung man als Klient sucht. Die Begrifflichkeiten können verwirrend sein. Nicht jeder Gründercoach hat eine Coach-Ausbildung absolviert, die Voraussetzung für Coaching im eigentlichen Sinne ist. Dieses Coaching arbeitet u.a. an Blockaden, Überzeugungen oder Unklarheiten, die den Klienten daran hindern, seinen Weg weiter zu gehen. Hier könnte man auch von Persönlichkeits-Coaching sprechen. Allerdings sind die Übergänge fließend, da jeder Unternehmer auch Mensch ist mit individuellen Eigenheiten, Überzeugungen und Haltungen, die mit in unternehmerisches Handeln einfließen. Umgekehrt hat nicht jeder Coach unbedingt fachliche Berater-Expertise. Suche ich konkret fachliche Unterstützung für unternehmerische Anliegen, bin ich bei einem fachlichen Berater besser aufgehoben.

Die richtige Wahl braucht Zeit

Die Auswahl eines Coaches ist aus zweierlei Gründen ein sehr persönlicher Prozess. Erstens ist es wichtig, sich beim Coach unterstützt und wohl zu fühlen. Die Chemie muss stimmen, damit man Veränderungen, Herausforderungen und Impulse auch annehmen kann. Zum anderen startet jede Gründerin und jeder Gründer mit unterschiedlichen Voraussetzungen sein Unternehmen. Die eine hat bereits eine Homepage, eine Geschäftsausstattung, einen Kundenstamm oder Marketingideen, die andere nicht. Daraus entwickeln sich ganz individuelle Schwerpunkte für das Coaching, für die es auch unterschiedliche Spezialisten gibt.
Aus beiden Gründen ist es wichtig, sich für die Auswahl des Coaches Zeit zu nehmen. Man muss die eigenen Prioritäten festlegen und daraus ableiten, welcher Coach mit welcher Spezialisierung für die Zusammenarbeit am besten geeignet ist.

Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis nutzen

Hilfreich ist es, sich unter Bekannten nach ihren Erfahrungen umzuhören. Vielleicht hat jemand gerade ein Gründercoaching abgeschlossen? Sie können retrospektiv beurteilen, was sie im Prozess des Coachings besonders unterstützt und was ihnen gefehlt hat. Mir persönlich hat z.B. geholfen, unterschiedliche Coaches im Rahmen von Vorträgen und Workshops zu erleben. Das ist ein gängiges Akquisetool der Coaches. Ich habe das gerne genutzt, da ich einerseits inhaltlichen Input bekommen habe und mir andererseits ein Bild vom Coach machen konnte.

Die Klienten sollten mit potentiellen Beratern je ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren, in dem ein möglicher Auftrag geklärt und konkretisiert wird, und die Klienten einen Einblick in den Beratungsansatz des Coaches bekommen. Spätestens hier sollte klar sein, ob der Coach über das erforderliche Fach-Knowhow für das unternehmerische Anliegen verfügt.

Was macht generell einen guten Coach aus ?

Aufgrund der unterschiedlichen Anliegen und Persönlichkeiten der Klienten einerseits sowie der differierenden Ausbildungs- und Erfahrungshorizonte der Coaches andererseits gibt es leider keine Standardkriterien, die erfüllt sein müssen. Da „Coach“ kein geschützter Begriff ist, sollten man sich darüber informieren, welche anerkannten Aus- und Weiterbildungen den Coach qualifizieren, über welche Beratungserfahrung und welches fachliche Knowhow er verfügt.
Für mich als Gründerin war wichtig, dass mein Gründercoach nicht nur über Beratungskompetenzen sondern auch über praktische Erfahrung und Kompetenzen in den Bereichen verfügt, die für mich relevant waren wie Marketing und Akquise.

Wann sollte man lieber von einer Zusammenarbeit absehen?

Wenn man ein ungutes Bauchgefühl hat oder die Beziehung nicht stimmt, rate ich von einer Zusammenarbeit ab. Das gilt übrigens auch für den Coach. Hier können Klienten das Erstgespräch nutzen, um abzugleichen, ob Arbeits- und Herangehensweise des Coaches ihnen entspricht.
Empfehlungen vom Coach, seine zusätzlichen Coaching- oder Trainingsangebote in Anspruch zu nehmen, würde ich sehr gut prüfen. Jeder einzelne Entwicklungsschritt geht von einem selbst aus. Ein vorgeschlagenes Rundum-Sorglos-Paket an Coachings und Trainings untergräbt die Souveranität und die Fähigkeit des Ratsuchenden, den eigenen Bedarf und den Zeitpunkt für einen Entwicklungsschritt festzulegen. Übt ein Coach Druck auf den Klienten aus, ist das kein gutes Zeichen.

Wie läuft ein Coaching ab?

Der Coaching-Prozess gliedert sich in 3 Phasen:
1. Auftrags-/ Zielklärung
2. Coaching-Sitzungen mit Gesprächen, Interventionen und Übungen zur Herausarbeitung von Zielen, Entwicklung von Handlungsoptionen und dem Transfer in die Praxis
3. Auswertung des Prozesses. Hier wird geklärt, in wie weit die angestrebten Ziele erreicht, Lösungsideen in den Alltag integriert werden konnten.

Wie lange dauert so ein Coaching und was sollte es kosten?

Ein Coaching-Prozess dauert, je nach Zielvorstellung und Art des Anliegens, zwischen 3 und 7 Einheiten in einem zeitlich begrenzten Rahmen von erfahrungsgemäß 2 bis 4 Monaten. Die Frequenz der Sitzungen bestimmen ausschließlich die Kunden, nicht der Coach. Bewährt haben sich Zeitabstände von 1 bis zu 3 Wochen zwischen 2 Coaching-Terminen.
Ein Gründercoaching ist umfangreicher und zeitlich auf ca. ein Jahr begrenzt. Die Kosten sind über die KfW-Bank zu erfragen.

Die Kosten für ein Coaching variieren sehr stark. Für Privatpersonen, GründerInnen oder EinzelunternehmerInnen liegt die Spanne etwa zwischen 75,- € und 150,- € pro Coachingsitzung, die in der Regel ca. 60, maximal 90 Minuten dauert. Für Unternehmen gelten deutlich höhere Preise.

Woran lässt sich der Erfolg eines Coachings messen?

Erfolg ist ja ein sehr subjektiver Begriff und was für mich als Coach ein erfolgreiches Coaching bedeutet, muss nicht dasselbe für den Klienten bedeuten. Sie merken spätestens in der Auswertungsphase des Coachings , ob und in wie weit Sie Ihr ursprüngliches Ziel erreichen. Es ist zu empfehlen, zu Beginn für den Gesamtprozess messbare inhaltliche sowie zeitliche Zwischenziele zu definieren. Das gliedert den Prozess und macht den „Erfolg“ transparenter.

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Autor: Nadja Bungard

Ich mache meine Kunden sichtbar - in der Öffentlichkeit, in den Medien, in Social-Media-Kanälen. Als PR-Beraterin helfe ich Gründern und Unternehmern, sich im Markt klar aufzustellen, dabei strategisch vorzugehen und die richtigen Themen zu setzen. 2011 erschien mein "Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" im DIHK Verlag.

2 Kommentare

    • Vielen Dank für ihren Hinweis. Es gibt natürlich viele Verzeichnisse im Internet, worüber man einen Coach finden kann. Letzlich entscheidet oft das Bauchgefühl in einem Erstgespräch, ob es von beiden Seiten aus klappt oder eben nicht. Wir werden inzwischen oft von unseren früheren Mandanten weiter empfohlen. Da stimmt dann auch oft die Chemie und eine bessere Werbung gibt es nicht 🙂

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